<INDUKTIONSLOGIK />
Die <PTL>-Struktur PhilosophicalTurn.InduktionsLogik dient dazu, Texte nicht einfach inhaltlich zusammenzufassen, sondern ihre nicht-deduktive Schlussarchitektur sichtbar zu machen. Sie fragt also nicht nur, was ein Text behauptet, sondern vor allem, wie er von Beobachtungen, Einzelfällen, Daten, statistischen Mustern oder Modellen zu allgemeineren Aussagen gelangt. Gerade in wissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen, historischen oder philosophischen Texten werden solche Übergänge oft als selbstverständlich präsentiert, obwohl sie methodisch hoch anspruchsvoll und keineswegs logisch zwingend sind. Die Struktur macht diese Übergänge explizit, prüfbar und kritisierbar.
Im Zentrum steht dabei die Einsicht, dass „Induktion“ kein einheitlicher Vorgang ist. Ein Text kann aus beobachteten Fällen auf weitere Fälle schließen, aus Daten auf ein Gesetz, aus Korrelationen auf Ursachen, aus Modellpassung auf Realitätsnähe oder aus einzelnen Phänomenen auf eine verborgene Struktur. Solche Übergänge sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, haben aber philosophisch sehr unterschiedlichen Status. Die Struktur trennt deshalb konsequent zwischen demonstrativer und problematischer Induktion, zwischen Induktion und Abduktion, zwischen Bestätigung und bloßer Hypothesengenerierung, zwischen statistischer und kausaler Relevanz sowie zwischen empirischer Adäquatheit und starkem Gesetzes- oder Realitätsanspruch. Ihre Leitidee ist, dass philosophische Präzision dort beginnt, wo man diese verschiedenen inferenziellen Modi nicht ineinander laufen lässt.
Eine erste Strategie dieser <PTL>-Struktur besteht daher in der Statusdiagnose des Schlusses. Sie rekonstruiert, welcher Typ von Übergang überhaupt vorliegt: Wird eine Hypothese nur plausibel gemacht? Wird sie bestätigt? Wird sie erst erfunden? Wird ein probabilistischer Zusammenhang als fast notwendig dargestellt? Oder wird ein materialer Bereich so behandelt, als ließe sich aus ihm eine universale Schlussform ableiten? Diese Diagnose schützt vor einem häufigen Fehler vieler Texte: dass sie den Grad ihrer epistemischen Tragfähigkeit überzeichnen und aus einer begrenzten Stützung stillschweigend eine viel stärkere Geltung machen.
Eine zweite Strategie ist die bedingungslogische Rekonstruktion. Die Struktur fragt, welche Bedingungen ein Text als notwendig behandelt und welche er als hinreichend unterstellt. Dadurch wird sichtbar, ob eine beobachtete Regelmäßigkeit nur eine Begleiterscheinung ist, ob sie tatsächlich eine Ermöglichungsbedingung markiert oder ob sie als tragender Faktor einer Erklärung fungieren soll. Die Orientierung an notwendigen Bedingungen und kleinsten hinreichenden Bedingungen hat hier eine doppelte Funktion: Sie schärft die logische Struktur des Textes und sie verhindert zugleich, dass aus Korrelationen vorschnell Ursachen gemacht werden. Besonders in empirischen Kontexten ist das entscheidend, weil dort häufig schon statistische Relevanz als kausale Einsicht missverstanden wird.
Eine dritte Strategie betrifft die Projektibilität der verwendeten Begriffe und Prädikate. Generalisierungen leben nicht nur von der Zahl der Fälle, sondern auch davon, welche Merkmale überhaupt als verallgemeinerungsfähig gelten. Ein Text muss, oft ohne es selbst zu bemerken, bestimmte Klassifikationen privilegieren: Er behandelt einige Merkmale als natürlich, stabil und gesetzesfähig, andere dagegen nicht. Genau hier setzt die Struktur an. Sie fragt, warum gerade dieses Merkmal induktiv tragen soll und nicht ein künstlich konstruiertes, bloß ad hoc gewähltes. Damit wird eine semantische Dimension der Induktionslogik sichtbar: Die Geltung eines Schlusses hängt nicht nur von Daten ab, sondern auch von der Art, wie ein Gegenstandsbereich begrifflich gegliedert wird.
Hinzu kommt eine vierte Strategie, nämlich die Analyse der Bestätigungsweise. Nicht jede Evidenz stützt auf dieselbe Weise. Einzelne positive Fälle können allgemeine Aussagen instanzlogisch stützen; in anderen Zusammenhängen ist nicht bloß logische Vereinbarkeit, sondern evidenzielle Relevanz entscheidend; manchmal kommt es auf die Gesamt-Evidenz an, nicht auf isolierte Befunde. Die Struktur fragt deshalb, wie ein Text Bestätigung überhaupt versteht: als Ansammlung positiver Instanzen, als Wahrscheinlichkeitszuwachs, als Ausschluss von Alternativen, als Falsifikationsresistenz oder als Einbettung in ein komplexes Evidenznetz. Dadurch wird sichtbar, ob ein Text seine eigene Evidenzform sauber reflektiert oder ob er ganz verschiedene Bestätigungsmodelle unsauber mischt.
Eng damit verbunden ist eine fünfte Strategie: die Öffnung des Alternativenraums. Viele Texte gewinnen ihre Überzeugungskraft nicht dadurch, dass ihre Schlussfigur besonders stark wäre, sondern dadurch, dass konkurrierende Hypothesen, Störvariablen oder gemeinsame Ursachen gar nicht erst ernsthaft in Betracht gezogen werden. Die <PTL>-Struktur fragt deshalb systematisch nach dem, was ein Text ausblendet. Welche Alternativen wären denkbar? Welche Defeater könnten den Schluss relativieren? Welche Gegenbefunde werden übergangen? Welche Rolle spielt Selektionsbias? Diese Strategie ist philosophisch zentral, weil nicht-deduktive Schlüsse immer widerrufbar sind. Ihre Stärke zeigt sich nicht daran, dass sie unangreifbar wären, sondern daran, wie gut sie mit möglichen Einwänden und rivalisierenden Deutungen umgehen.
Eine weitere Leitidee der Struktur ist, dass Induktion niemals im luftleeren Raum stattfindet. Jeder induktive Schluss lebt von Hintergrundwissen: von Annahmen über Stabilität, Typengleichheit, Repräsentativität, Gesetzesähnlichkeit, Mechanismen oder Domänenkonstanz. Die Struktur zwingt dazu, diese meist stillschweigenden Voraussetzungen sichtbar zu machen. Gerade dadurch wird deutlich, dass Induktionen nicht einfach aus der reinen Form des Schlusses heraus bewertet werden können. Oft hängt ihre Tragfähigkeit an materialen Tatsachen des jeweiligen Bereichs. Was in der einen Domäne eine vernünftige Extrapolation ist, kann in einer anderen völlig unzulässig sein. Die Struktur verbindet daher formale Analyse mit einer Materialitätsprüfung: Sie fragt, ob die Stärke des Schlusses wirklich aus seiner logischen Form stammt oder ob sie faktisch auf Besonderheiten des Gegenstandsbereichs beruht.
Schließlich besitzt die <PTL>-Struktur auch eine selbstkritische Funktion. Sie verhindert, dass man aus Modellpassung unmittelbar auf Wahrheit schließt, aus empirischer Bewährung auf Gesetzesrealismus, aus erklärender Eleganz auf Bestätigung oder aus prognostischem Erfolg auf ontologische Entdeckung. Sie ist damit kein Instrument zur pauschalen Skepsis gegenüber Induktion, sondern ein Werkzeug der methodischen Nüchternheit. Ihr Ziel ist nicht, eine einzige Theorie der Induktion zu verteidigen, sondern die Bedingungen sichtbar zu machen, unter denen nicht-deduktive Schlüsse tragfähig, begrenzt, revidierbar oder überzogen sind.
Als philosophische Strategie ist PhilosophicalTurn.InduktionsLogik daher ein Analysemodus der kontrollierten Verlangsamung. Er verlangsamt die Bewegung vom Datum zur These, vom Fall zur Regel, von der Korrelation zur Ursache, von der Erklärungsidee zur bestätigten Theorie. Gerade diese Verlangsamung ist sein erkenntnisgewinnender Kern. Denn viele argumentative Probleme liegen nicht in offenen Fehlschlüssen, sondern in zu schnellen, rhetorisch geglätteten oder methodisch unmarkierten Übergängen. Die Struktur macht diese Übergänge lesbar. Sie hilft damit, Texte präziser zu verstehen, wissenschaftliche Ansprüche differenzierter zu bewerten und die eigene philosophische Urteilskraft im Umgang mit Evidenz, Wahrscheinlichkeit und Erklärung systematisch zu schulen.
<INDUKTIONSLOGIK> ... </INDUKTIONSLOGIK>
<PTL>
<NAMESPACE>PhilosophicalTurn.InduktionsLogik</NAMESPACE>
<ROLLE>
Rekonstruiert und prüft, wie Texte von Beobachtungen, Fällen, Daten, Instanzen,
statistischen Mustern oder Modellen zu allgemeinen Sätzen, Prognosen, Kausalannahmen,
Gesetzen, Erklärungen oder theoretischen Entitäten übergehen. Trennt strikt zwischen
demonstrativer und problematischer Induktion, zwischen Induktion und Abduktion,
zwischen Bestätigung, statistischer Relevanz und kausaler Tragfähigkeit, zwischen
projektiblen und bloß ad-hoc gewählten Prädikaten sowie zwischen formalem
Induktionsschema und materialer Domänenabhängigkeit.
</ROLLE>
<ZIELE>
<ZIEL>Rekonstruktion der inferenziellen Architektur eines Textes: Von welchem epistemischen Ausgangsmaterial wird auf was geschlossen?</ZIEL>
<ZIEL>Strikte Statusdiagnose des Schlusses: demonstrativ, problematisch, abduktiv, hypothetico-deduktiv, bayesianisch, probabilistisch oder material-lokal.</ZIEL>
<ZIEL>Freilegung der stillen Hintergrundannahmen, die induktive Tragfähigkeit erst ermöglichen: Uniformität, Stabilität, Gesetzesähnlichkeit, Typengleichheit, Repräsentativität, Domänenregularitäten.</ZIEL>
<ZIEL>Bedingungslogische Präzisierung nach Broad: Trennung notwendiger Bedingungen (N.C.) von kleinsten hinreichenden Bedingungen (S.S.C.) und von bloßen Ermöglichungs- oder Korrelationsbedingungen.</ZIEL>
<ZIEL>Diagnose von Goodman-Problemen: Warum soll gerade dieses Prädikat projektibel sein und nicht ein künstlich konstruiertes?</ZIEL>
<ZIEL>Unterscheidung von Hypothesengenerierung und Hypothesenbestätigung: Verhindert, dass abduktive Kandidatenbildung als bestätigte Theorie ausgegeben wird.</ZIEL>
<ZIEL>Freilegung des Alternativenraums: Welche Konkurrenzhypothesen, Defeater und unberücksichtigten Möglichkeiten blendet der Text aus?</ZIEL>
<ZIEL>Prüfung, ob statistische Relevanz illegitim in kausale Relevanz transformiert wird.</ZIEL>
<ZIEL>Materialitätsprüfung nach Norton: Beruht die Stärke des Schlusses auf einer universalen Form oder auf sachbereichsspezifischen Tatsachen?</ZIEL>
<ZIEL>Reichweitenkontrolle: Verhindert illegitime Extrapolation von lokalen Daten auf globale Gesetze oder von Sonderfällen auf allgemeine Strukturen.</ZIEL>
</ZIELE>
<THEMA>
Induktion, Bestätigung, Evidenz, Wahrscheinlichkeit, Abduktion, Projektibilität,
Kausalität, statistische Relevanz, Total Evidence, Defeasibility und materiale
Induktionslogik.
</THEMA>
<PERSPEKTIVEN>
<PERSPEKTIVE>Erkenntnistheoretisch (Rechtfertigungsstruktur, Evidenzstatus, Gradierung von Stützung)</PERSPEKTIVE>
<PERSPEKTIVE>Logisch (Schlusstypen, Bedingungslogik, inferenzielle Statusdiagnose)</PERSPEKTIVE>
<PERSPEKTIVE>Wissenschaftstheoretisch (Gesetz, Erklärung, Theorie, Prognose, Modellpassung)</PERSPEKTIVE>
<PERSPEKTIVE>Semantisch (Projektibilität, Prädikatswahl, Klassifikationsbildung)</PERSPEKTIVE>
<PERSPEKTIVE>Ontologisch (Gesetze, Dispositionen, Mechanismen, Ursachen, theoretische Entitäten)</PERSPEKTIVE>
<PERSPEKTIVE>Kausalitätsanalytisch (statistische Relevanz, Common Cause, Mechanismus, Kovariation)</PERSPEKTIVE>
<PERSPEKTIVE>Topologisch (Kartierung des Weges von Daten über Zwischenannahmen zu Erklärung oder Gesetz)</PERSPEKTIVE>
<PERSPEKTIVE>Alethologisch (Trennung von Wahrheit, Bewährung, Rechtfertigung und empirischer Adäquatheit)</PERSPEKTIVE>
</PERSPEKTIVEN>
<BEGRIFFSANALYSE />
<ERKENNTNISTHEORETISCHEANALYSE />
<ONTOLOGISCHEANALYSE />
<SEMANTISCHEANALYSE />
<GELTUNGSTHEORETISCHEANALYSE />
<ALETHOLOGIE />
<TOPOLOGIE />
<KONTEXT>
Die Analyse soll einen Text nicht bloß referieren, sondern seine nicht-deduktive
Schlussarchitektur freilegen. Zentral ist die Vermeidung von Kategorienfehlern:
der Verwechslung von demonstrativer und problematischer Induktion, von
Hypothesengenerierung und Hypothesenbestätigung, von statistischer und kausaler
Relevanz, von Datenpassung und Gesetzesrealismus sowie von formaler Inferenztabelle
und materialer Domänentragfähigkeit.
</KONTEXT>
<RELATIONEN>
<REQUIRES>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.Begriffsanalyse – zwingend, weil Begriffe wie „Induktion“,
„Gesetz“, „Ursache“, „Erklärung“, „Wahrscheinlichkeit“, „Evidenz“ und
„Bestätigung“ hochgradig polysem sind.
</NAMESPACE_REF>
</REQUIRES>
<RECOMMENDS>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.ErkenntnistheoretischeAnalyse – stark empfohlen, um
Wissensbegriff, Rechtfertigungsstruktur und allgemeine Begründungsarchitektur
vorzuklären.
</NAMESPACE_REF>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.OntologischeAnalyse – stark empfohlen, wenn der Text
Dispositionen, Mechanismen, Ursachen, Arten oder Gesetze voraussetzt.
</NAMESPACE_REF>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.Topologie – stark empfohlen, um die argumentative Route von
Daten über Zwischenannahmen zu Prognosen, Erklärungen oder Gesetzesansprüchen
sichtbar zu machen.
</NAMESPACE_REF>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.SemantischeAnalyse – empfohlen bei Goodman-Problemen und bei
projektibilitätskritischen Prädikatsverschiebungen.
</NAMESPACE_REF>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.Alethologie – empfohlen, wenn Texte Bestätigung,
Rechtfertigung, Wahrheit und empirische Bewährung vermengen.
</NAMESPACE_REF>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.Naturphilosophie.Kausalitaet – empfohlen, wenn starke
Kausal- oder Mechanismusbehauptungen aus statistischen Daten entwickelt werden.
</NAMESPACE_REF>
</RECOMMENDS>
<SPECIALIZES>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.ErkenntnistheoretischeAnalyse – diese PTL-Struktur ist eine
wissenschaftstheoretisch zugespitzte Spezialisierung des allgemeinen
erkenntnistheoretischen Moduls.
</NAMESPACE_REF>
</SPECIALIZES>
<ENHANCES>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.HabermasAnalyse – hilfreich, um unzulässige Übergänge von
empirischen Lernprozessen oder sozialwissenschaftlichen Regularitäten zu
normativer oder universalistischer Geltung sichtbar zu machen.
</NAMESPACE_REF>
<NAMESPACE_REF>
PhilosophicalTurn.AnthropologischeAnalyse – hilfreich, um aus wenigen
anthropologischen Annahmen gezogene überstarke institutionelle oder normative
Generalisierungen aufzudecken.
</NAMESPACE_REF>
</ENHANCES>
</RELATIONEN>
<METHODEN>
<METHODE>Induktionsstatus-Diagnose: Klassifikation des Schlusses als demonstrativ, problematisch, abduktiv, hypothetico-deduktiv, probabilistisch oder material-lokal.</METHODE>
<METHODE>Bedingungslogische Induktionsanalyse: Rekonstruktion von N.C., S.S.C. und Alternativbedingungen; Trennung von Korrelation, Ermöglichungsbedingung und kausaler Hinreichendheit.</METHODE>
<METHODE>Projektibilitäts- und Prädikatsfilter: Prüfung, ob verwendete Merkmale natürlich, stabil, gesetzesfähig oder bloß ad hoc konstruiert sind.</METHODE>
<METHODE>Bestätigungslogische Analyse: Unterscheidung von Instanzbestätigung, Relevanzbestätigung, Äquivalenzproblemen, Bestätigungsparadoxien und Evidenzgraden.</METHODE>
<METHODE>Spielraum- und Alternativenanalyse: Kartierung von Konkurrenzhypothesen, unbeachteten Möglichkeiten und Größe des logischen bzw. probabilistischen Alternativenraums.</METHODE>
<METHODE>Kausalitäts- und Common-Cause-Prüfung: Prüfung, ob Kovariation als Ursache ausgegeben wird oder ob gemeinsame Ursachen/Mechanismen gesucht werden müssten.</METHODE>
<METHODE>Abduktionsfilter: Trennung von hypothesengenerierendem Schluss und evidenzstärkendem Schluss.</METHODE>
<METHODE>Wahrscheinlichkeitsrahmen-Analyse: Explikation des verwendeten Wahrscheinlichkeitsbegriffs und der stillen Prioren, Frequenzen oder Symmetrieannahmen.</METHODE>
<METHODE>Total-Evidence- und Background-Kontrolle: Prüfung auf Gegenbefunde, Selektionsprobleme, Störvariablen und ausgeblendete Evidenz.</METHODE>
<METHODE>Materialitätsprüfung nach Norton: Rekonstruktion der sachbereichsspezifischen Tatsachen, die den Schluss tatsächlich tragen.</METHODE>
<METHODE>Defeasibility-Analyse: Bestimmung der Zusatzinformationen, unter denen die Induktion kollabiert, eingeschränkt oder revidiert werden muss.</METHODE>
<METHODE>Regressions- und Reichweitenprüfung: Analyse, ob lokale Daten illegitim globalisiert oder Sonderfälle unzulässig generalisiert werden.</METHODE>
</METHODEN>
<KERNFRAGEN>
<KERNFRAGE dim="Ausgangsmaterial">Von welcher Art epistemischem Ausgangsmaterial geht der Text aus: Beobachtungen, Einzelfälle, Experimente, statistische Serien, Modelle, Hintergrundwissen, Analogien oder etablierte Theorien?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Zieltyp">Auf welche Art von Ziel wird geschlossen: nächster Fall, allgemeine Regel, Naturgesetz, Kausalstruktur, verborgener Mechanismus, beste Erklärung, Wahrscheinlichkeitseinschätzung oder bloße empirische Adäquatheit?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Status">Hat der inferenzielle Übergang demonstrativen, problematischen, abduktiven, hypothetico-deduktiven, bayesianischen oder materialen Charakter?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Bedingungslogik">Welche notwendige(n) Bedingung(en) und welche kleinste hinreichende Bedingung setzt der Text für das erklärte oder prognostizierte Phänomen an?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Hintergrundwissen">Welche Rolle spielt Hintergrundwissen für die Geltung der Induktion?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Projektibilitaet">Welche Prädikate und Klassifikationen werden als projektibel behandelt – und warum gerade diese?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Bestaetigung">Wie funktioniert Bestätigung im Text: instanzlogisch, relevanzlogisch, graduell, falsifikationistisch oder holistisch?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Alternativenraum">Wie werden Alternativen, Defeater und Wahrscheinlichkeitsspielräume modelliert?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Kausalitaet">Wird statistische Relevanz mit kausaler Relevanz verwechselt?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Abduktion">Wird eine Hypothese bestätigt oder zunächst überhaupt erst erzeugt?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Wahrscheinlichkeitsbegriff">Welchen Wahrscheinlichkeitsbegriff setzt der Text voraus?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Materialitaet">Beruht die Tragfähigkeit des Schlusses auf universaler Form oder auf materialen Tatsachen des Sachbereichs?</KERNFRAGE>
<KERNFRAGE dim="Reichweite">Ist die Reichweite des Schlusses durch die Daten tatsächlich gedeckt?</KERNFRAGE>
</KERNFRAGEN>
<KATEGORIEN>
<KATEGORIE>Demonstrative Induktion</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Problematische Induktion</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Abduktion</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Instanzbestätigung</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Relevanzbestätigung</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Projektibilität</KATEGORIE>
<KATEGORIE>N.C. (Necessary Condition)</KATEGORIE>
<KATEGORIE>S.S.C. (Smallest Sufficient Condition)</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Statistische Relevanz</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Kausale Relevanz</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Wahrscheinlichkeitsrahmen</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Materiale Induktion</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Total Evidence</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Empirische Adäquatheit vs. Gesetzesrealismus</KATEGORIE>
</KATEGORIEN>
<INDIKATOREN>
<SCHLUESSELBEGRIFFE>
Induktion, Bestätigung, Evidenz, Beobachtung, Erfahrung, Regelmäßigkeit, Gesetz,
Hypothese, Prognose, Wahrscheinlichkeit, Plausibilität, Stichprobe, Korrelation,
Ursache, Erklärung, Bayes, Abduktion, Projektibilität, Hintergrundwissen
</SCHLUESSELBEGRIFFE>
<TYPISCHEVERBEN>
schließen auf, generalisieren, bestätigen, stützen, erklären, vorhersagen,
extrapolieren, hochrechnen, projizieren, plausibilisieren, wahrscheinlich machen,
kausal deuten, updaten, revidieren
</TYPISCHEVERBEN>
<TYPISCHEMUSTER>
„Aus diesen Fällen folgt, dass …“
„Die Daten sprechen dafür, dass …“
„Am wahrscheinlichsten ist …“
„Die beste Erklärung ist …“
„Typischerweise / in der Regel / gewöhnlich …“
„Wenn dies bisher immer so war, dann wird …“
„Die Studie zeigt, dass X Y verursacht“
„Diese Korrelation beweist …“
„Alle beobachteten Fs waren G; daher sind Fs G“
„Dieses Modell passt zu den Daten; daher ist die Theorie wahr“
</TYPISCHEMUSTER>
</INDIKATOREN>
<ANALYSEKRITERIEN>
<KRITERIUM>Korrekte Statusdiagnose jedes nicht-deduktiven Schlusses mit textnaher Begründung und sauberer Unterscheidung von Induktion, Abduktion und hypothetico-deduktiver Prüfung.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Explizite Rekonstruktion der Bedingungslogik: N.C., S.S.C., Alternativbedingungen, Korrelationsstatus und kausale Behauptungsstärke.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Präzise Projektibilitätsdiagnose: Welche Merkmale tragen die Generalisierung, welche sind bloß künstlich oder opportunistisch gewählt?</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Saubere Bestätigungsanalyse: Instanz, Relevanz, Gesamt-Evidenz, Äquivalenzprobleme, Unterbestimmtheit und Evidenzgrade.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Systematische Öffnung des Alternativenraums: Konkurrenzhypothesen, Defeater, Common-Cause-Möglichkeiten und ausgelassene Gegenbeispiele.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Strikte Trennung von statistischer und kausaler Relevanz mit Angabe der Übergangsprämissen, falls der Text Kausalität behauptet.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Explikation des impliziten Wahrscheinlichkeitsrahmens einschließlich stiller Prioren, Frequenzannahmen oder Symmetrieannahmen.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Materialitätsdiagnose: Benennung der sachbereichsspezifischen Tatsachen, die die Extrapolation tatsächlich tragen sollen.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Reichweitenkontrolle: Keine stillschweigende Globalisierung lokaler Daten und keine Überdehnung von Modellpassung zu Theorie-Wahrheit.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Textnähe, interne Kohärenz, Kategorienklarheit und transparente Ausweisung aller stillen Zusatzannahmen.</KRITERIUM>
</ANALYSEKRITERIEN>
<SPECIFIC_ANALYSIS_TAGS>
<INDUKTIONSSTATUSDIAGNOSE
ziel="Bestimmung des genauen inferenziellen Status eines Schlusses"
typen="demonstrativ|problematisch|abduktiv|hypothetico-deduktiv|bayesianisch|material-lokal"
fokus="statusdiagnose|verwechslungsdiagnose|begruendungsniveau">
Identifiziere den Schlusstyp jeder relevanten Passage. Prüfe insbesondere, ob eine
nur wahrscheinliche Stützung als zwingender Schluss inszeniert wird oder ob eine
abduktive Kandidatenbildung als bestätigte Theorie erscheint.
</INDUKTIONSSTATUSDIAGNOSE>
<BEDINGUNGSLOGISCHEANALYSE
ziel="Rekonstruktion von N.C., S.S.C. und Alternativbedingungen"
fokus="bedingungen|kausalitaet|hinreichendheit|notwendigkeit">
Isoliere notwendige Bedingungen, kleinste hinreichende Bedingungen und alternative
Bedingungskonfigurationen. Prüfe, ob der Text Korrelationen oder
Ermöglichungsbedingungen fälschlich als kausal hinreichend ausgibt.
</BEDINGUNGSLOGISCHEANALYSE>
<PROJEKTIBILITAETSPRUEFUNG
ziel="Analyse der Prädikatswahl und Generalisierbarkeit"
fokus="projektibilitaet|goodman|klassifikation|praedikate">
Untersuche, welche Merkmale als induktiv tragfähig behandelt werden. Prüfe, ob sie
natürlich, stabil und gesetzesfähig erscheinen oder bloß ad hoc zur Stützung des
gewünschten Ergebnisses konstruiert sind.
</PROJEKTIBILITAETSPRUEFUNG>
<BESTAETIGUNGSLOGISCHEANALYSE
ziel="Rekonstruktion der Art von Bestätigung"
fokus="instanz|relevanz|gradierung|aequivalenz|unterbestimmtheit">
Bestimme, ob der Text mit Instanzbestätigung, Relevanzbestätigung, gradueller
Bestätigung, Falsifikation, Total-Evidence-Prinzip oder Äquivalenzannahmen arbeitet.
</BESTAETIGUNGSLOGISCHEANALYSE>
<ALTERNATIVENRAUMANALYSE
ziel="Kartierung von Konkurrenzhypothesen und Defeatern"
fokus="alternativen|defeater|common_cause|konkurrenzhypothesen">
Öffne den logischen und probabilistischen Spielraum des Textes. Prüfe, welche
Alternativen stillschweigend ausgeschlossen werden und ob diese Ausschlüsse
begründet sind.
</ALTERNATIVENRAUMANALYSE>
<KAUSALITAETSPRUEFUNG
ziel="Trennung von Kovariation und Kausalbehauptung"
fokus="statistische_relevanz|kausale_relevanz|mechanismus|common_cause">
Analysiere, ob aus statistischer Relevanz unzulässig auf Ursache, Mechanismus oder
Gesetz geschlossen wird. Prüfe die Rolle gemeinsamer Ursachen.
</KAUSALITAETSPRUEFUNG>
<ABDUKTIONSFILTER
ziel="Trennung von Hypothesengenerierung und Hypothesenstärkung"
fokus="abduktion|entdeckung|rechtfertigung|erklaerung">
Bestimme, ob eine Passage eine Erklärungshypothese nur einführt oder ob sie bereits
beansprucht, diese Hypothese evidenziell gestützt zu haben.
</ABDUKTIONSFILTER>
<WAHRSCHEINLICHKEITSRAHMENANALYSE
ziel="Explikation des verwendeten Wahrscheinlichkeitsbegriffs"
fokus="frequentistisch|logisch|subjektiv_bayesisch|objektiv_bayesisch|qualitativ">
Rekonstruiere den vorausgesetzten Wahrscheinlichkeitsrahmen und mache stille
Prioren, Frequenzannahmen, Symmetrien oder Gradierungsregeln sichtbar.
</WAHRSCHEINLICHKEITSRAHMENANALYSE>
<TOTALEVIDENZKONTROLLE
ziel="Prüfung des Umgangs mit Gesamt-Evidenz"
fokus="total_evidence|gegenbefunde|selektionsprobleme|stoervariablen">
Prüfe, ob der Text relevante Gegenbefunde, ältere Evidenz, Selektionsprobleme,
Störvariablen oder abweichende Datensätze systematisch ausblendet.
</TOTALEVIDENZKONTROLLE>
<MATERIALITAETSPRUEFUNG
ziel="Rekonstruktion der sachbereichsspezifischen Trägerfakten"
fokus="norton|domaenenabhaengigkeit|materiale_induktion|lokalitaet">
Zeige, welche materialen Tatsachen des Sachbereichs die Extrapolation tragen sollen.
Prüfe, ob der Schluss nur deshalb gut erscheint, weil der Bereich faktisch
induktionsfreundlich ist.
</MATERIALITAETSPRUEFUNG>
<DEFEASIBILITYANALYSE
ziel="Analyse der Widerrufbarkeit des Schlusses"
fokus="defeasibility|revisionsbedingungen|einschraenkung|kollaps">
Bestimme, unter welchen Zusatzinformationen die Induktion revidiert, eingeschränkt
oder vollständig aufgehoben werden müsste.
</DEFEASIBILITYANALYSE>
<REICHWEITENPRUEFUNG
ziel="Kontrolle der Extrapolationsweite"
fokus="lokal_global|sonderfall_generalisierung|modellpassung|gesetzesanspruch">
Prüfe, ob von lokalen Daten illegitim auf globale Gesetze oder von Modellpassung
illegitim auf Theorie-Wahrheit geschlossen wird.
</REICHWEITENPRUEFUNG>
</SPECIFIC_ANALYSIS_TAGS>
<METAPRUEFUNGEN>
<PRUEFEKOHAERENZ />
<PRUEFETEXTBEZUG />
<PRUEFEINDUKTIONSSTATUS />
<PRUEFEABDUKTIONSVERWECHSLUNG />
<PRUEFEPROJEKTIBILITAET />
<PRUEFEKORRELATIONVSKAUSALITAET />
<PRUEFETOTALEVIDENZ />
<PRUEFEALTERNATIVENRAUM />
<PRUEFEWAHRSCHEINLICHKEITSBEGRIFF />
<PRUEFEMATERIALITAET />
<PRUEFEREICHWEITE />
<PRUEFEDEFEASIBILITY />
<PRUEFEANNAHMEN />
<FINDEARGUMENTALTERNATIVE />
<FINDEAUTORALTERNATIVE />
<ERLAEUTERERELEVANZ />
</METAPRUEFUNGEN>
<TEXTERSTELLUNG>
Verfasse einen zusammenhängenden, wissenschaftlich präzisen Fließtext, der die
inferenzielle Architektur des analysierten Textes explizit rekonstruiert. Trenne
sauber Ausgangsmaterial, Übergangsannahmen, Schlusstyp, Bedingungslogik,
Bestätigungsmodus, Kausalstatus, Alternativenraum und Reichweite. Weise stille
Hintergrundannahmen ausdrücklich aus. Benenne klar, an welcher Stelle der Text von
Beobachtung zu Generalisierung, von Korrelation zu Kausalität, von Erklärungskandidat
zu Bestätigungsanspruch oder von Modellpassung zu Realismus übergeht. Schließe mit
einem begründeten Urteil über Tragfähigkeit, Grenzen und Revisionsanfälligkeit des
Schlusses.
<ANTWORESTRIKTANALYSEORIENTIERT />
</TEXTERSTELLUNG>
</PTL>
<INDUKTIONSLOGIK> ... </INDUKTIONSLOGIK>