Philosophical Programming Interface (PPI)
Das PPI (Philosophy Programming Interface) ist ein konzeptionelles Instrument und eine Schnittstelle für die KI-gestützte Analyse philosophischer Texte. Es ist eng mit der PTL (Philosophical Tag Language) verzahnt und dient dazu, der KI spezifische philosophische Methoden und Perspektiven in Form sogenannter „Namespaces“ (Namensräume) als strukturiertes „Denkkorsett“ vorzugeben. Das PPI-Json-Format strukturiert philosophische Kompetenz aus den folgenden PTL-Seiten als leicht verfügbare Datenstruktur (json). Sie können sie hier finden: llms-ppi.txt.
Hier sind die Erläuterungen zur Idee, Struktur und Benutzung des PPI:
1. Die Idee hinter dem PPI
Die Grundidee des PPI besteht darin, Künstliche Intelligenz nicht einfach frei und unstrukturiert über einen Text nachdenken zu lassen. Stattdessen zwingt das PPI die KI durch klar definierte, philosophische Analyse-Namespaces dazu, spezifische disziplinäre Methoden anzuwenden. Die KI soll den Text nicht nur generisch zusammenfassen, sondern ihn methodisch präzise auf seine Wahrheitsbegriffe, Begriffsverwendungen, metaphysischen Grundannahmen oder normativen Gehalte hin untersuchen. Das PPI operationalisiert somit philosophische Handwerkskunst für die Arbeit mit KI-Prompts.
2. Die dreiteilige Struktur des PPI
Laut der JSON-Architektur ist das PPI in drei Hauptbereiche gegliedert:
- Introduction (statisch/instruierend): Beschreibt die Kernfrage, die Rolle der KI und das Template. Hier ist der sogenannte „Screening-Prozess“ verankert, der das grundlegende Textverständnis steuert.
- Namespaces (dynamisch/generiert): Dies ist das Herzstück des PPI. Hier werden verschiedene philosophische Analysekategorien definiert, die durch logische Relationen und Abhängigkeiten miteinander verbunden sind.
- Usage (statisch/instruierend): Definiert den konkreten Arbeitsablauf (Workflow), Best Practices sowie Dokumentationsvorlagen für die Ergebnisse.
3. Die zentralen Namespaces (Analysekategorien)
Die Namespaces im PPI entsprechen den Perspektiven-Tags der PTL (wie z. B. <BEGRIFFSANALYSE /> oder <ONTOLOGISCHEANALYSE />) und weisen der KI jeweils eine ganz spezifische philosophische Rolle zu. Zu den wichtigsten Namespaces des Philosophical Turn gehören:
- PhilosophicalTurn.PerspektivitaetsAnalyse: Entflechtet das Potenzial für Mehrdeutigkeiten bei Begriffen wie „subjektiv/objektiv“ und „abstrakt/konkret“.
- PhilosophicalTurn.Topologie: Kartiert das logische und diskursive Feld eines Textes, um kategoriale Grenzen sichtbar zu machen.
- PhilosophicalTurn.Alethologie: Analysiert die im Text verwendeten Wahrheitsbegriffe und deren funktionale Rolle in der Argumentation.
- PhilosophicalTurn.Begriffsanalyse: Operationalisiert die Begriffsarbeit als kontrollierte Klärung von Bedeutung und Abgrenzung – es geht hier nicht um Dinge, sondern um sprachliche Werkzeuge.
- PhilosophicalTurn.OntologischeAnalyse: Identifiziert metaphysische Grundannahmen (Was existiert? Wie ist die Natur von Entitäten und Eigenschaften?).
- PhilosophicalTurn.ErkenntnistheoretischeAnalyse / EpistemischeAnalyse: Fokussiert auf Wissensgrenzen, Begründungsstrukturen und die Phänomenologie kognitiver Vollzüge (Wahrnehmung, Evidenzerleben).
- PhilosophicalTurn.GeltungstheoretischeAnalyse: Prüft rein die Legitimationsbasis und Argumentarchitektur, also wie und worauf Geltungsansprüche begründet werden.
- PhilosophicalTurn.NormativeAnalyse & AxiologieAnalyse: Rekonstruiert Normen, Pflichten und Rechte in strikter Abgrenzung zu deskriptiven Sätzen und untersucht die Wertdimensionen (intrinsisch vs. instrumentell).
4. Benutzung und Workflow
Die Benutzung des PPI folgt einem strengen, methodischen Ablauf („Usage“), der sicherstellt, dass die KI-Analysen tiefgründig und nachvollziehbar bleiben:
- Schritt 1: Text & Aufgabe verstehen (Screening-Prozess): Bevor spezifische Analysen angewendet werden, muss der Text gelesen und seine philosophischen Hauptmerkmale identifiziert werden.
- Schritt 2: Logische Anwendungsreihenfolge: Die Namespaces dürfen nicht willkürlich aufgerufen werden. Sie müssen in einer logischen Reihenfolge angeordnet werden, wobei Voraussetzungen („requires“-Abhängigkeiten) zuerst zu bearbeiten sind.
- Best Practices: Ein direkter Sprung zu den Namespaces ohne vorheriges systematisches Screening ist zu vermeiden. Zudem fordert das PPI, dass alle Behauptungen der KI mit konkreten Text-Referenzen belegt werden und Querverbindungen zwischen den verschiedenen Analysen (Namespaces) aufgezeigt werden.
- Dokumentations-Vorlage: Die KI wird angewiesen, die Ergebnisse sauber zu strukturieren. Die Ausgabe soll das Screening-Resultat, die spezifischen Namespace-Analysen, eine kritische Evaluation (Widerspruchsfreiheit, Transparenz) sowie eine Liste von Mehrdeutigkeiten und Begrenzungen der Analyse (Limitationen) enthalten.
Zusammenfassend: Das PPI ist die konzeptionelle „Bibliothek“ an philosophischen Perspektiven, auf die man zugreift, wenn man einen PTL-Prompt schreibt. Indem man die PPI-Namespaces als Tags (z.B. <NORMATIVEANALYSE />) in einen PTL-Prompt einbettet, steuert man die kognitive Methodik der KI exakt so, wie ein Dozent im philosophischen Seminar die Denkmethode seiner Studierenden anleitet.