<DEONTOLOGISCHEANALYSE />
Die Leitunterscheidung: zwei Typen deontologischen Denkens
Die Deontologie ist nicht eine Theorie, sondern eine Familie von Theorien, die durch eine gemeinsame Grundüberzeugung zusammengehalten wird: Der moralische Status einer Handlung hängt nicht primär von ihren Folgen ab, sondern von dem, was die Handlung an sich ist. Was innerhalb dieser Familie auseinandergeht, ist die Frage, wie weit dieser Anspruch reicht – und auf welcher ontologischen Grundlage er steht.
Das PTL-Template für die deontologische Analyse ist strukturell auf eine Leitunterscheidung aufgebaut, die in der philosophischen Forschung oft vernachlässigt wird: die zwischen nicht-kontingenter (universaler) Deontologie und kontingenter Deontologie. Beide sind genuine deontologische Positionen – aber sie unterscheiden sich fundamental in ihrer Geltungsarchitektur, ihrer Ontologie und ihrer Methode der Urteilsbildung. Das Template zwingt die KI dazu, diese Unterscheidung als ersten analytischen Schritt zu vollziehen, bevor inhaltliche Normanalyse beginnt.
Vier Universalitätsdimensionen – <METHODEN>: Vier-Dimensionen-Analyse
Was heißt es, eine Norm sei universell gültig? Die Antwort ist nicht eindimensional. Das Template operationalisiert Universalität in vier analytisch separaten Dimensionen:
(a) zeitliche Invarianz – die Norm gilt immer, unabhängig von historischen Epochen; (b) räumliche Invarianz – sie gilt überall, unabhängig von Kulturen und Kontexten; (c) distributive Invarianz – sie gilt für jeden, unabhängig von der Person; (d) kategorische Modalität – sie gilt notwendig, unabhängig vom Wollen des Subjekts.
Eine nicht-kontingente Deontologie beansprucht alle vier Dimensionen. Ihr Paradigma ist Kants kategorischer Imperativ: Pflichten gelten zeitlos, raumübergreifend, für alle und unbedingt. Ontologisch verlangt diese Position einen Wahrmacher, der Universalität trägt – entweder platonisch-ideale Moraltatsachen oder synthetisch-apriorische Strukturen der praktischen Vernunft.
Eine kontingente Deontologie gibt (a), (b) und (c) preis – und hält nur (d) aufrecht, aber in einer präzise anderen Form: als parametrische Kategorität. Das Sollen gilt nicht für alle, immer, überall – sondern für diese Person, in dieser Situation, zu dieser Zeit, an diesem Ort. Formal ausgedrückt als G(phi; t, l, p, s): Ein Sollen phi gilt als Funktion der Parameter Zeit (t), Ort (l), Person (p), Situation (s). Unter fixierten Parametern ist das Sollen kategorisch – nicht optional. Aber andere Parameter erzeugen andere Wahrmacher und andere Pflichten. Kontingenz ist nicht Beliebigkeit. Sie ist die Preisgabe von (a)–(c) bei Erhalt von (d).
Das Template prüft systematisch, welche dieser Dimensionen ein Text explizit beansprucht, welche er stillschweigend unterstellt und welche er faktisch nicht einlöst. Viele Texte behaupten universale Geltung (a–d), operieren aber faktisch mit situationsgebundenen Urteilen, die nur (d) unter fixierten Parametern einlösen. Das ist eine Inkonsistenz – und das Template macht sie sichtbar.
Fittingness und Tendency – das analytische Herzstück der kontingenten Seite
C. D. Broads Begriffe stehen im Zentrum der kontingenten Seite des Templates. Sie sind nicht bloß ergänzende Konzepte, sondern der analytische Schlüssel für eine Klasse von deontologischen Texten, die mit Regelsubsumtion nicht vollständig erfasst werden können.
Fittingness (Angemessenheit) ist bei Broad eine direkte, zweistellige ethische Relation zwischen einer Handlung und der Gesamtheit der Situation – dem, was Broad den »total course of events« nennt. Sie ist nicht axiologisch: Es geht nicht darum, ein Gut zu maximieren. Sie ist nicht regelbasiert: Es gibt keine allgemeine Formel, die Fittingness aus Einzelkomponenten mechanisch erzeugt. Was passt hier zur Situation? Diese Frage lässt sich nicht durch Deduktion beantworten, sondern nur durch Urteil.
Tendency (wrong-making / right-making characteristic) ist Broads Analyse moralischer Kraftvektoren. Eine Handlungseigenschaft – etwa »eine Lüge sein« oder »jemandem Kontrollverlust aufzwingen« – trägt eine inhärente negative oder positive Tendenz. Diese ist logisch-normativ, nicht statistisch. Das ist der entscheidende Punkt: Eine Tendenz ist kein »Potenzial« im Sinne von Wahrscheinlichkeit. Sie ist eine Eigenschaft der Handlungsstruktur selbst, unabhängig davon, ob der Schaden empirisch eintritt.
Hieraus folgt die Moral-Luck-Immunisierung: Wenn der moralische Fehler in der Struktur der Handlung liegt und nicht erst in ihren Folgen, dann verändert sich das moralische Urteil nicht durch den zufälligen Ausbleib des Schadens. Schüler A übersteht die Demütigung resilient, Schüler B nicht – war die demitierende Handlung für Schüler A »nicht so schlimm«? In Tendency-Logik: nein. Der Fehler war in der Handlung, nicht im Ergebnis.
Das Template unterscheidet ferner zwischen Component Fittingness – den isolierten pro-tanto-Vektoren einer Handlung in Bezug auf je eine ihrer Eigenschaften, abstrakt und universell formulierbar – und Resultant Fittingness: der Gesamt-Angemessenheit nach kreativer Synthesis aller relevanten Komponenten in einer konkreten historischen Konstellation. Resultant Fittingness ist nicht deduzierbar. Sie erfordert moralisches Urteilsvermögen – Broads Tennisspieler-Analogie: nicht wie die Berechnung von Flugbahnen, sondern wie die kreative Reaktion auf eine komplexe, sich verändernde Situation.
Diese Unterscheidung entspricht strukturell Ross' Differenz zwischen prima-facie-Pflicht (Component) und tatsächlicher Pflicht (Resultant). Wo Ross jedoch die Auflösung von Pflichtenkonflikten als intuitive Gewichtung beschreibt, macht Broad den Charakter dieser Urteilsleistung – ihre Kreativität, ihre Nicht-Algorithmierbarkeit – explizit zum Thema.
Viskosität – Stabilität ohne Universalismus
Das geltungstheoretisch produktivste Konzept des Namespaces ist die Viskosität der Geltung. Es löst ein Problem, das die kontingente Deontologie gegenüber dem naheliegenden Einwand schützt: Wenn Normen nicht zeitlos und universell gelten, warum gelten sie dann überhaupt stabil? Warum kippen sie nicht bei jeder Stimmungs-, Informations- oder Machtverschiebung in reine Geschmackssache?
Viskosität bezeichnet die geltungstheoretische Trägheit deontischer Ansprüche: Sie kollabieren nicht bei jeder Perturbation. Gleichzeitig sind sie kontingent revidierbar – Viskosität ist nicht Ewigkeit. Worin liegt die Trägheit begründet? Nicht in platonischer Notwendigkeit, sondern in sozial-leiblichen Reproduktionsbedingungen: realen Verletzbarkeiten, institutionellen Strukturen, leiblichen Abhängigkeiten, die unabhängig von Anerkennung existieren. Sie erzeugen stabile Wahrmacher für deontische Ansprüche, ohne diese Ansprüche in zeitlose Notwendigkeit zu verfestigen.
Viskosität ist das analytische Korrektivum zwischen zwei Fehlern: Universalismus überzieht die Stabilität – er erklärt durch zeitlose Notwendigkeit, was durch historische Reproduktionsbedingungen erklärbar ist. Konventionalismus unterschreitet die Stabilität – er macht Normen durch Konsens revisibel, ohne zu erklären, warum ein Exklusionskonsens nicht »eine andere Gerechtigkeit« erzeugt, sondern schlicht falsch ist (unfitting), weil der relationale Wahrmacher – die Verletzbarkeit der Ausgeschlossenen – unabhängig von der Einigung existiert.
Das Template überträgt Viskosität in ein praktisches Analysekonzept durch das Viskositätsgefälle: Wenn mehrere Normen kollidieren, tragen sie in der Regel unterschiedliche Trägheitsgrade. Dieses Gefälle steuert die Kollisionsauflösungslogik – und macht die Analyse präziser als die bloße Aussage, eine Pflicht »überwiege« eine andere.
Wahrmacher und ontologischer Minimalismus – <ONTOLOGISCHEANALYSE>
Die kontingente Deontologie verzichtet auf starke ontologische Entitäten. Sie benötigt keine zeitlos existierenden Moraltatsachen. Sie operiert mit relationalen Invarianten als Wahrmachern deontischer Aussagen: ontologisch existierende Zustände aus leib-materiellen Tatsachen (Verletzbarkeit, Abhängigkeit), institutionellen Tatsachen (Rechte, Rollen, Ausschlussstrukturen) und erfahrungsnahen Salienzen (Kontrollverlust, Demütigung). Diese Wahrmacher sind objektiv – sie existieren unabhängig von Anerkennung. Sie sind nicht universal – sie sind historisch-praktisch vermittelt und kontextsensitiv.
Der Anti-Konventionalismus-Test ist die methodische Konsequenz: Existiert der Wahrmacher für eine deontische Aussage unabhängig vom Konsens? Wenn ein Exklusionskonsens gebildet wird, der bestimmte Personen von moralischer Berücksichtigung ausschließt – ist dieser Konsens dann eine andere Gerechtigkeit, oder ist er schlicht falsch? In kontingenter Deontologie: falsch, weil der Wahrmacher (die relationale Verletzbarkeit der Ausgeschlossenen) unabhängig von der Einigung existiert.
Das Template führt zudem systematisch den Naturalismus-Fehlschlusstest durch (Moore/Broad): Wird im Text aus dem Faktum »A erlebt Kontrollverlust« oder »statistisch traumatisieren 80 % der Fälle« direkt auf »A ist ungerecht« geschlossen? Empirie schärft die Situationsbeschreibung und liefert Wahrmacher-Kandidaten – sie erzeugt aber kein Sollen. Der Übergang muss durch eine Tendency-Eigenschaft der Situation vermittelt sein, nicht durch statistische Korrelation.
Ratio cognoscendi und ratio essendi – <GELTUNGSTHEORETISCHEANALYSE>
Eine der folgenreichsten Verwechslungen in politischen und ethischen Texten ist die zwischen dem Grund der Normativität (ratio essendi: was macht eine Handlung geboten?) und dem Erkenntnismittel (ratio cognoscendi: wie erfahren wir, was geboten ist?). Politischer Diskurs, demokratischer Konsens und die doppelte Psychologie – die individuellen affektiven Dispositionen, die bestimmen, welche Tendencies als Gründe »greifen«, und die kollektiven Anerkennungsordnungen, die bestimmen, welche Ansprüche im Diskurs sichtbar werden – sind allesamt ratio cognoscendi. Sie sind epistemische Infrastruktur, keine Geltungsquelle.
Das Template prüft für jeden Text, welche Rolle Konsens und doppelte Psychologie spielen. Werden sie als Erkenntnishilfen eingesetzt – als Mittel zur Korrektur blinder Flecken, zur Aufdeckung bisher unsichtbarer Verletzbarkeitsstrukturen? Dann sind sie legitimate und wichtige Bestandteile der moralischen Erkenntnisarbeit. Werden sie als Geltungsquellen eingesetzt – wird Gerechtigkeit »geschaffen« durch Einigung, statt »entdeckt und korrigiert«? Dann ist die ratio-cognoscendi/essendi-Grenze überschritten, und der Text verfällt in Konventionalismus.
Methodische Anlage des Templates: Typdiagnose vor Normanalyse
Das Template ist in eine methodische Reihenfolge strukturiert, die dem Aufbau des Namespaces entspricht. Die Typdiagnose steht am Anfang: Welcher deontologische Theorietyp operiert im Text – nicht-kontingent (a–d) oder kontingent (nur d)? Diese Bestimmung entscheidet, welche Analyseoperationen folgen und welche Fehler besonders drohen. Texte, die zwischen universalen Grundsätzen und situationsspezifischer Argumentation pendeln, ohne die Spannung zu thematisieren, sind Kandidaten für Typinkonsistenz – eine der häufigsten und folgenreichsten Fehlfiguren in ethischen Texten.
Auf die Typdiagnose folgen Fittingness- und Tendency-Analyse, Viskositätsbestimmung, Wahrmacher-Diagnostik und Ratio-cognoscendi/essendi-Prüfung. Die Normstrukturanalyse (Pflichten, Verbote, Erlaubnisse, Rechte, Kollisionen) schließt sich an – jetzt aber angereichert durch das analytische Instrumentarium, das die Tiefenstruktur sichtbar macht: Sind die identifizierten Normen Component Fittingness oder Resultant Fittingness? Wie hoch ist ihr Viskositätsgrad? Welche Tendencies tragen sie? Liegt ihr Wahrmacher in relationalen Invarianten oder in zeitlosen Moraltatsachen?
Das Analyseideals des PTL-Projekts gilt uneingeschränkt: nicht referieren, sondern rekonstruieren und urteilen. Die KI soll den deontologischen Theorietyp des Textes freilegen, seine metaethischen Voraussetzungen transparent machen, Typinkonsistenzen benennen, Viskositätsgefälle bei Kollisionen bestimmen und ein begründetes Kohärenzurteil formulieren – methodisch kontrolliert, philosophisch präzise, argumentativ belastbar.
<DEONTOLOGIEANALYSE> ... </DEONTOLOGIEANALYSE>
<!-- PTL Template für die deontologisch fokussierte Konfiguration eines KI-Prompts -->
<PTL>
<ZIELE>
<ZIEL>Typdiagnose: Bestimmung, ob der Text mit nicht-kontingenter Deontologie
operiert (alle vier Universalitätsdimensionen a–d: zeitlich, räumlich,
distributiv, kategorisch) oder mit kontingenter Deontologie (nur d als
parametrische Kategorität unter fixierten Situationsparametern t, l, p, s).
Nachweis latenter Inkonsistenzen beim Wechsel zwischen beiden Typen.</ZIEL>
<ZIEL>Normstruktur-Analyse: Präzise Identifikation und Klassifikation
deontischer Strukturen – Pflichten, Verbote, Erlaubnisse, Rechte,
Maximen – mit Bestimmung ihres kategorischen oder hypothetischen Status
sowie der zugrundeliegenden Pflichtentheorie (monistisch/pluralistisch).</ZIEL>
<ZIEL>Fittingness- und Tendency-Analyse: Herausarbeitung, ob normative
Kraft im Text als direkte ethische Relation Handlung/Situation (Fittingness)
oder als Regelkonformität modelliert wird; Identifikation von wrong-making
und right-making Tendencies als logisch-normativen Kraftvektoren, die
unabhängig vom empirischen Schadenseintritt wirken (Moral-Luck-Immunisierung).
Unterscheidung Component Fittingness (pro-tanto-Vektoren) von Resultant
Fittingness (kreative Synthesis in der konkreten Konstellation).</ZIEL>
<ZIEL>Viskositätsanalyse: Bestimmung der geltungstheoretischen Trägheit
deontischer Normen – der Widerstandskraft gegen willkürliche Revision bei
gleichzeitiger Offenheit für kontingente Revidierbarkeit. Prüfung, ob
Stabilität durch zeitlose Notwendigkeit (universale Seite) oder durch
sozial-leibliche Reproduktionsbedingungen (kontingente Seite) begründet wird.
Identifikation des Viskositätsgefälles zwischen kollidierenden Normen.</ZIEL>
<ZIEL>Wahrmacher-Diagnostik: Klärung der ontologischen Basis deontischer
Aussagen – platonisch-ideale Moraltatsachen, naturalistische Fakten
(mit Fehlschlussrisiko) oder relationale Invarianten aus Welt- und
Personenfaktoren (Verletzbarkeit, Machtasymmetrie, Ausschlussstruktur)
als Kandidaten des relationalen Wahrmachers kontingenter Deontologie.</ZIEL>
<ZIEL>Strenge Ebenentrennung: Trennung deontologischer Normativität von
konsequentialistischen und axiologischen Elementen; Kennzeichnung von
Mischformen; Ratio-cognoscendi / Ratio-essendi-Trennung (Konsens als
epistemische Infrastruktur, nicht als Geltungsquelle).</ZIEL>
</ZIELE>
<THEMA>Deontologische Ethik – nicht-kontingente und kontingente Typen,
Fittingness, Tendency, Viskosität der Geltung, parametrische Kategorität</THEMA>
<PERSPEKTIVE>Deontologisch, normativ, geltungstheoretisch, metaethisch,
ontologisch (Wahrmacher-Frage)</PERSPEKTIVE>
<METHODEN>
<METHODE>Vier-Dimensionen-Analyse der Universalität (a–d): Systematische
Prüfung deontischer Aussagen entlang (a) zeitlicher Invarianz, (b) räumlicher
Invarianz, (c) distributiver Invarianz, (d) kategorischer Modalität.
Nachweis, welche Dimensionen explizit beansprucht, stillschweigend unterstellt
oder faktisch nicht eingelöst werden. Kerntest: Beansprucht der Text
universale Geltung (a–d), operiert aber faktisch mit situationsgebundenen
Urteilen, die nur (d) unter fixierten Parametern einlösen?</METHODE>
<METHODE>Fittingness-Relationstest: Prüfung, ob normative Kraft als direkte
ethische Relation Handlung/Situation (Fittingness nach Broad) oder als
Regelkonformität modelliert wird. Operationalisierung: Wäre dieselbe Handlung
in einer anderen Gesamtsituation anders zu beurteilen, ohne dass eine Regel
geändert wurde? Falls ja: Fittingness-Normativität. Analyse, ob der Text
'total course of events' als relevante Bewertungseinheit anerkennt.
Abgrenzung: Fittingness ist weder Utility-Maximierung noch Regel-Subsumtion.</METHODE>
<METHODE>Tendency-Analyse und Moral-Luck-Test: Unterscheidung von 'Potenzial'
(statistisch-empirisch) und 'Tendency' (logisch-normativ). Eine Handlung
trägt eine wrong-making Tendency, wenn ihre Eigenschaft (z. B. 'Kontrollverlust
aufzwingen') als solche einen negativen moralischen Kraftvektor hat –
unabhängig vom empirischen Schadenseintritt. Test: Verändert sich die moralische
Bewertung im Text, wenn der Schaden ausbleibt? Falls ja: Potenzial-Logik,
kein Tendency-Begriff. Tendencies sind Gewichte im Urteil, keine absoluten
Verbote; sie können durch andere Tendencies überwogen werden.</METHODE>
<METHODE>Component-Resultant-Unterscheidung und Kreativitätsdiagnose:
Component Fittingness sind isolierte pro-tanto-Richtungsvektoren einer Handlung
(abstrakt formulierbar, z. B. 'Versprechen halten ist pro tanto geboten').
Resultant Fittingness ist die Gesamt-Angemessenheit nach kreativer Synthesis
aller Komponenten in einer konkreten historischen Konstellation. Prüfung:
Wird Synthesis als mechanische Deduktion (nicht-kontingente Seite) oder als
kreative Urteilsleistung konzipiert (kontingente Seite, Broads Tennisspieler-
Analogie)? Resultant Fittingness ist nicht deduzierbar.</METHODE>
<METHODE>Viskositätsprüfung: Analyse der geltungstheoretischen Trägheit –
übersteht der deontische Anspruch normale Schwankungen von Perspektive,
Information und Interesse, ohne ins Geschmacksurteil zu kippen? Und: bleibt
er revisionsoffen, ohne in zeitlose Notwendigkeit zu erstarren? Viskosität
ist das Korrektivum gegen zwei Fehler: Universalismus (überzieht Stabilität)
und Konventionalismus (unterschreitet Stabilität). Bestimmung des
Viskositätsgefälles zwischen kollidierenden Normen als Basis der
Kollisionsauflösungslogik.</METHODE>
<METHODE>Wahrmacher-Diagnostik: Prüfung der drei Kandidaten –
(1) platonisch-ideale Moraltatsachen (universal, zeitlos),
(2) naturalistische Fakten (Fehlschlussrisiko: von 'A erlebt Kontrollverlust'
direkt zu 'A ist ungerecht'),
(3) relationale Invarianten (Verletzbarkeit, Machtasymmetrie,
Ausschlussstruktur) als objektive, konsensunabhängige Wahrmacher ohne
Universalitätsanspruch. Anti-Konventionalismus-Test: Existiert der Wahrmacher
unabhängig von Anerkennung?</METHODE>
<METHODE>Parametrische Kategorität G(phi; t, l, p, s): Operationalisierung
der kontingenten Deontologie als Funktion: Ein Sollen phi gilt für Zeit (t),
Ort (l), Person (p), Situation (s). Kontingenz in (a–c): andere Parameter
erzeugen andere Wahrmacher und andere Pflichten. Kategorität in (d): bei
fixierten Parametern ist das Sollen nicht optional. Prüfung, welche Parameter
ein Text explizit macht und welche universalisierend überdehnt werden.</METHODE>
<METHODE>Kategorisch/Hypothetisch-Test: Prüfung, ob normative Aussagen auf
einem unbedingten Imperativ beruhen oder zweckabhängig sind. Auf der
universalen Seite: Universalformulierbarkeit als Kriterium (Kant).
Auf der kontingenten Seite: Kategorität ist lokal unter fixierten Parametern,
nicht zielabhängig – aber auch nicht zeitlos universell.</METHODE>
<METHODE>Prima-facie/Tatsächliche-Pflicht-Distinktion (Ross): Analyse von
Pflichtenkollisionen; Identifikation des Viskositätsgefälles zwischen
kollidierenden Pflichten; Rekonstruktion der Auflösungsstrategien.
Component Fittingness entspricht strukturell den prima-facie-Pflichten;
Resultant Fittingness dem tatsächlichen Urteil.</METHODE>
<METHODE>Ratio-cognoscendi / Ratio-essendi-Trennung: Unterscheidung des
Geltungsgrundes (ratio essendi: was macht eine Handlung geboten?) vom
Erkenntnismittel (ratio cognoscendi: wie erfahren wir, was geboten ist?).
Politischer Diskurs, demokratischer Konsens, doppelte Psychologie
(individuell/kollektiv) sind ratio cognoscendi – keine Geltungsquellen.
Test: Wird Gerechtigkeit im Text 'geschaffen' (Konsens = ratio essendi)
oder 'entdeckt/korrigiert' (Konsens = ratio cognoscendi)?</METHODE>
<METHODE>Ebenentrennung Norminhalt/Geltung: Rekonstruktion des deontischen
Inhalts strikt getrennt von seiner Legitimation; Viskosität als
geltungstheoretisches Attribut der Norm separat ausweisen.</METHODE>
</METHODEN>
<KATEGORIEN>
<!-- Typologische Grundkategorien -->
<KATEGORIE>Nicht-kontingente / universale Deontologie: Alle vier
Universalitätsdimensionen (a–d) beansprucht – zeitlos, raumübergreifend,
für jeden, kategorisch-notwendig. Paradigmen: Kants kategorischer Imperativ,
platonische Moraltatsachen, apriorische Pflichtenlisten. Ontologisch:
Ideenontologie oder synthetisch-apriorische Moraltatsachen als
Universalitätsträger.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Kontingente Deontologie: Nur Dimension (d) als parametrische
Kategorität – unter fixierten Parametern (t, l, p, s) gilt das Sollen
kategorisch, ohne Anspruch auf (a–c). Normativität situationsgebunden,
kontingent revidierbar, aber nicht optional. Geltung ist viskos: träge,
nicht starr. Ontologisch minimalistisch: relationale Invarianten als
Wahrmacher, keine zeitlosen Ideenentitäten.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Universalitätsdimensionen (a–d): (a) zeitlich ['immer'] –
Invarianz über historische Epochen; (b) räumlich ['überall'] – Invarianz
über Kulturen und Kontexte; (c) distributiv ['für jeden'] – Invarianz über
Personen; (d) kategorisch ['notwendig'] – Nicht-Optionalität, unabhängig
vom Wollen. Kontingenz ist nicht Beliebigkeit, sondern Preisgabe von (a–c)
bei Erhalt von (d).</KATEGORIE>
<!-- Broads Begriffe -->
<KATEGORIE>Fittingness (Angemessenheit): Direkte, zweistellige ethische
Relation zwischen einer Handlung und der Gesamtheit der Situation ('total
course of events'). Nicht axiologisch (kein maximiertes Gut), nicht
regelbasiert (keine Subsumtion), sondern relational: Was passt hier zur
Situation? Keine allgemeine Berechnungsformel. Abgrenzung: nicht Utility-
Maximierung, nicht Konformität mit Universalregel.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Tendency (Wrong/Right-Making Characteristic): Inhärenter
moralischer Kraftvektor einer Handlungseigenschaft (z. B. 'Lüge sein',
'Kontrollverlust aufzwingen') – pro tanto negativ/positiv, unabhängig vom
empirischen Schadenseintritt (Moral-Luck-Immunisierung). Tendencies sind
Gewichte im Urteil, keine absoluten Verbote; sie können durch andere
Tendencies überwogen werden. Abgrenzung: Tendency ist nicht statistisches
'Potenzial'.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Component Fittingness vs. Resultant Fittingness: Component:
isolierte pro-tanto-Angemessenheit einer Handlung in Bezug auf eine
ihrer Eigenschaften – abstrakt formulierbar, universell formbar.
Resultant: Gesamt-Angemessenheit nach kreativer Synthesis aller Komponenten
in einer konkreten historischen Konstellation – nicht mechanisch deduzierbar,
sondern Urteilsvermögen (Skill, künstlerische Komposition). Strukturelle
Entsprechung: Component ≈ prima-facie-Pflicht (Ross);
Resultant ≈ tatsächliche Pflicht.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Deontologische Kreativität: In marginalen Situationen versagen
dogmatische Regelanwendungen. Moralisches Urteilen wird zur Synthesis-
Leistung: Mehrere, teils kollidierende Component-Vektoren werden zu einer
situations-angemessenen Ordnung komponiert. Broads Analogie: nicht wie
Berechnung von Flugbahnen (Dogmatiker), sondern wie Reaktion eines
Tennisspielers auf eine komplexe Situation. Normativ diszipliniert durch
Tendency-Vektoren.</KATEGORIE>
<!-- Viskosität -->
<KATEGORIE>Viskosität der Geltung: Geltungstheoretisches Konzept der
Trägheit deontischer Ansprüche gegen willkürliche Revision – sie
kollabieren nicht bei jeder Stimmungs-, Informations- oder Machtverschiebung
(Mindest-Stabilität), sind aber kontingent revidierbar (keine Ewigkeit).
Begründung der Trägheit: nicht platonische Notwendigkeit, sondern
sozial-leibliche Reproduktionsbedingungen (reale Verletzbarkeiten,
institutionelle Strukturen). Viskosität ist das Korrektivum zwischen
Universalismus (überzieht Stabilität) und Konventionalismus (unterschreitet
Stabilität). Viskositätsgefälle: unterschiedliche Trägheitsgrade
kollidierender Normen bestimmen die Kollisionsauflösungslogik.</KATEGORIE>
<!-- Wahrmacher und Ontologie -->
<KATEGORIE>Wahrmacher deontischer Aussagen (Truthmaker): Drei Modelle:
(1) Platonischer Wahrmacher: ideale Moraltatsachen, zeitlos existent –
universale Seite. (2) Naturalistischer Wahrmacher: empirische Fakten –
Fehlschlussgefahr (Moore/Broad). (3) Relationaler Wahrmacher (kontingente
Deontologie): ontologisch existierende Zustände aus Welt- und Personenfaktoren
– leib-materielle Tatsachen (Verletzbarkeit, Abhängigkeit), institutionelle
Tatsachen (Rechte, Rollen), erfahrungsnahe Salienzen (Kontrollverlust,
Ausschluss). Objektiv (konsensunabhängig) ohne universal zu sein.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Parametrische Kategorität G(phi; t, l, p, s): Formale Struktur
kontingenter Deontologie – Sollen phi gilt als Funktion von Zeit (t),
Ort (l), Person (p), Situation (s). Kontingenz in (a–c): andere Parameter,
andere Wahrmacher, andere Pflichten. Kategorität in (d): bei fixierten
Parametern ist das Sollen nicht optional. Inklusion als Prüfstein:
Pflichten entstehen aus konkreten Verletzbarkeitsstrukturen.</KATEGORIE>
<!-- Geltungstheorie -->
<KATEGORIE>Ratio cognoscendi vs. Ratio essendi: Grund der Normativität
(ratio essendi: was macht eine Handlung geboten?) vs. Erkenntnismittel
(ratio cognoscendi: wie erfahren wir, was geboten ist?). Politischer Diskurs,
demokratischer Konsens, doppelte Psychologie sind ratio cognoscendi –
keine Geltungsquellen. Ein Exklusionskonsens wäre nicht 'eine andere
Gerechtigkeit', sondern objektiv falsch (unfitting), weil der Wahrmacher
unabhängig von der Einigung existiert.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Doppelte Psychologie (individuell/kollektiv): Epistemologischer
Zugangsmechanismus zu Sollensansprüchen. (1) Individuell: affektive und
habituelle Dispositionen bestimmen, welche Tendencies als Gründe 'greifen'.
(2) Kollektiv/politisch: Anerkennungsordnungen, Konfliktlagen und
Machtgefüge bestimmen, welche Ansprüche im Diskurs sichtbar werden.
Beide Ebenen sind kontingent – deshalb ist Viskosität erforderlich, um
Stabilität ohne Universalität zu erklären.</KATEGORIE>
<!-- Normstruktur-Kategorien -->
<KATEGORIE>Pflicht / Obligation (kategorisch)</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Prima-facie-Pflicht vs. tatsächliche Pflicht (Ross)</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Pro tanto / All-things-considered / Side constraints:
Pro-tanto-Pflichten sind Tendencies – in einer Richtung wirkend, durch
andere Tendencies überwiegbar. All-things-considered: Ergebnis der
Synthesis (Resultant Fittingness). Side constraints: starke Negativvektoren
(Demütigung, Zwang), die durch beliebige Vorteile nicht kompensierbar sind
und die Abwägungslogik asymmetrisch begrenzen.</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Verbot / Prohibition</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Erlaubnis / Permission</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Rechte (subjektive Anspruchspositionen; korrelierende Pflichten)</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Menschenwürde / Zweck-an-sich-Formel</KATEGORIE>
<KATEGORIE>Moral Luck und Tendency-Immunisierung: Wenn moralische Bewertung
vom Schadenseintritt abhängt (Potenzial-Logik), verändert sich das Urteil
durch Zufall. Immunity durch Tendency: der moralische Fehler liegt in der
Handlungsstruktur (Zwang, Ausschluss, Demütigung), nicht erst im Ergebnis.</KATEGORIE>
</KATEGORIEN>
<REGELN>
<REGEL1>Typdiagnose zuerst: Bestimme, ob der Text mit nicht-kontingenter
Deontologie (a–d universell) oder mit kontingenter Deontologie operiert
(nur d als parametrische Kategorität). Prüfe die vier Universalitätsdimensionen
systematisch und weise nach, welche explizit beansprucht, welche unterstellt
und welche faktisch nicht eingelöst werden. Dokumentiere Inkonsistenzen
beim Wechsel zwischen den Typen mit Textstellen.</REGEL1>
<REGEL2>Fittingness-Test: Prüfe, ob normative Kraft als direkte ethische
Relation Handlung/Situation (Fittingness) oder als Regelkonformität
modelliert wird. Identifiziere, ob der Text 'total course of events'
als Bewertungseinheit anerkennt. Trenne Fittingness klar von
Utility-Maximierung.</REGEL2>
<REGEL3>Tendency-Analyse: Identifiziere wrong-making und right-making
Tendencies im Text als logisch-normative Kraftvektoren, nicht als
statistische Potenziale. Führe den Moral-Luck-Test durch: Verändert sich
das Urteil, wenn der Schaden ausbleibt? Unterscheide Component Fittingness
(pro-tanto-Vektoren) von Resultant Fittingness (kreative Synthesis)
und prüfe, ob der Text die Synthesis als Deduktion oder als
Urteilsleistung konzipiert.</REGEL3>
<REGEL4>Viskositätsprüfung: Bestimme den Viskositätsgrad jeder
identifizierten Norm – wie stark widersteht sie willkürlicher Revision?
Prüfe, ob Stabilität durch zeitlose Notwendigkeit (universale Seite)
oder durch sozial-leibliche Reproduktionsbedingungen (kontingente Seite)
begründet wird. Bestimme das Viskositätsgefälle zwischen kollidierenden
Normen und zeige, wie es die Kollisionsauflösung steuert.</REGEL4>
<REGEL5>Wahrmacher-Diagnostik: Kläre den ontologischen Status deontischer
Aussagen – platonisch, naturalistisch (mit Fehlschlussrisiko) oder
relational-invariant. Prüfe den Anti-Konventionalismus-Test: Existiert der
Wahrmacher unabhängig vom Konsens?</REGEL5>
<REGEL6>Ratio-cognoscendi / Ratio-essendi-Trennung: Prüfe, welchen Status
politischer Konsens, Diskurs und doppelte Psychologie im Text haben –
Geltungsquelle oder Erkenntnisinfrastruktur. Kennzeichne Verwechslungen
dieser Ebenen explizit.</REGEL6>
<REGEL7>Strenge Ebenentrennung: Trenne deontologische Normativität von
konsequentialistischen und axiologischen Elementen. Kennzeichne Mischpassagen.
Trenne Norminhalt von Geltungslegitimation; Viskosität als geltungstheoretisches
Attribut gesondert ausweisen. Prüfe auf naturalistische Fehlschlüsse.</REGEL7>
</REGELN>
<ANALYSEKRITERIEN>
<KRITERIUM>Korrekte Typdiagnose (nicht-kontingent vs. kontingent) mit
systematischer Prüfung der vier Universalitätsdimensionen und Nachweis
von Inkonsistenzen beim Typwechsel – mit Textbelegen.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Präzise Identifikation von Fittingness-Relationen und
Tendency-Vektoren; klare Trennung von Potenzial-Logik; korrekte
Unterscheidung Component/Resultant Fittingness; Diagnose des
Kreativitäts- oder Deduktionsmodus der Synthesis.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Viskositätsbestimmung für jede identifizierte Norm: Grad der
Trägheit, Begründung der Stabilität (Notwendigkeit oder Reproduktions-
bedingungen), Viskositätsgefälle bei Kollisionen – mit Textbelegen.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Wahrmacher-Diagnostik: Klärung des ontologischen Typs;
Nachweis der Konsensunabhängigkeit (kontingente Seite) oder
Universalitätsträger (universale Seite).</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Korrekte Ratio-cognoscendi / Ratio-essendi-Trennung;
Identifikation der Rolle von Konsens und doppelter Psychologie im Text.</KRITERIUM>
<KRITERIUM>Systematische Ebenentrennung: Norminhalt / Geltungslegitimation /
Viskosität / Wahrmacher als analytisch separate Dimensionen ausgewiesen.</KRITERIUM>
</ANALYSEKRITERIEN>
<METAPRUEFUNGEN>
<!-- Prüft Kohärenz der Typdiagnose und aller Viskositätszuschreibungen -->
<PRUEFEKOHAERENZ />
<!-- Stellt sicher, dass alle Aussagen zu Tendency, Fittingness und
Viskosität textbasiert belegt sind -->
<PRUEFETEXTBEZUG />
<!-- Reflexion über eigene normative Vorannahmen, insbesondere beim
Viskositäts- und Typurteil -->
<PRUEFEANNAHMEN />
<!-- Regt an, alternative Lesarten zu erwägen: Könnte die Norm als
Resultant statt Component gelten? Könnte ein universaler Text
kontingent gelesen werden? -->
<FINDEARGUMENTALTERNATIVE />
<!-- Fordert Erläuterung der Relevanz der Typdiagnose für das Textproblem -->
<ERLAEUTERERELEVANZ />
<!-- Prüft Kategorienfehler: Wurde konsequentialistische Argumentation
als deontologisch klassifiziert? Wurde Fittingness mit Utility
verwechselt? Wurde Tendency mit Potenzial gleichgesetzt? -->
<PRUEFEKATEGORIENFEHLER />
<!-- Prüft Viskositätskonsistenz: Werden gleichartige Normen mit
unterschiedlicher Trägheit behandelt ohne Begründung? Wird
Viskosität mit absoluter Geltung verwechselt? -->
<PRUEFEVISKOSITAETSKONSISTENZ />
<!-- Prüft Wahrmacher-Konsistenz: Wird die ontologische Basis der
deontischen Aussagen konsistent gehalten (platonisch vs. relational)?
Gibt es naturalistische Fehlschlüsse? -->
<PRUEFEWAHRMACHERKONSISTENZ />
</METAPRUEFUNGEN>
<SPECIFIC_ANALYSIS_TAGS>
<BEGRIFFSANALYSE
ziel="Präzisierung der zentralen deontologischen Schlüsselbegriffe
beider Theorietypen; Aufdeckung von Äquivokationen zwischen universaler
und kontingenter Verwendung">
Identifiziere und kläre die zentralen deontischen Ausdrücke im Text:
»Pflicht«, »Recht«, »sollen«, »kategorisch«, »Maxime«, »Würde«,
»Angemessenheit«, »Tendency«, »Fittingness«, »pro tanto«, »Viskosität«,
»Geltung«, »Verletzbarkeit«. Bestimme jeweils, ob Begriffe im universalen
oder kontingenten Sinne verwendet werden. Prüfe auf Polysemie und
Äquivokationen, insbesondere beim Wechsel zwischen Theorietypen.
Analysiere Viskositätsmarker: »absolut«, »unbedingt«, »unter keinen
Umständen«, »gleichwohl«, »trotz allem«, »in dieser Situation«,
»für diese Person« u. ä.
</BEGRIFFSANALYSE>
<NORMATIVEANALYSE
fokus="normativ"
analyseniveau="detailanalyse|begruendung"
normart="kategorisch"
reduzierbarkeit="logisch_ultimativ"
naturalismus="non-naturalistisch"
anwendungsfallanalyse="true"
beweisforderung="true">
<!-- Deontologisch kalibrierte Normativitätsanalyse:
– Identifiziere alle deontischen Strukturen mit Typzuordnung
(universal/kontingent) und Universalitätsdimensions-Profil (a–d)
– Prüfe kategorisch/hypothetisch-Status mit Textbeleg
– Rekonstruiere die Pflichtentheorie als Ganzes:
monistisch (ein Oberspruch) oder pluralistisch (Ross)?
Entspricht die Kollisionslogik dem Viskositätsgefälle?
– Identifiziere Fittingness-Relationen und Tendency-Vektoren;
unterscheide Component von Resultant Fittingness;
diagnostiziere Deduktions- vs. Kreativitätsmodus der Synthesis
– Suche nach Tendencies, die als Side constraints wirken
(asymmetrische Abwägungsschranken)
– Dokumentiere Viskositätsgrad jeder Norm mit Textbeleg
– Trenne Norminhalt streng von Geltungslegitimation
-->
</NORMATIVEANALYSE>
<GELTUNGSTHEORETISCHEANALYSE
fokus="viskositaet|ratio_cognoscendi_essendi|wahrmacher|parametrische_kategorizitaet">
<!-- Geltungstheoretische Vertiefung, deontologisch fokussiert:
– Viskositätsanalyse: Bestimme Trägheitsgrad und Revisionsbedingungen
jeder Norm; prüfe, ob Stabilität durch zeitlose Notwendigkeit
oder sozial-leibliche Reproduktionsbedingungen begründet wird;
bestimme Viskositätsgefälle bei Kollisionen
– Ratio-cognoscendi / Ratio-essendi-Trennung: Kläre den Status
von Konsens, Diskurs und doppelter Psychologie im Text;
ist Gerechtigkeit 'geschaffen' oder 'entdeckt/korrigiert'?
– Parametrische Kategorität G(phi; t, l, p, s): Prüfe, welche
Parameter fixiert und welche universalisierend überdehnt werden;
analysiere Inklusion als Pflicht-Prüfstein
– Wahrmacher-Diagnostik auf der Geltungsebene: Wird der Wahrmacher
als konsensunabhängig behandelt?
-->
</GELTUNGSTHEORETISCHEANALYSE>
<ONTOLOGISCHEANALYSE
fokus="wahrmacher|ontologischer_minimalismus|relationale_invarianten">
<!-- Ontologische Analyse der deontischen Basis:
– Wahrmacher-Typbestimmung: platonisch-ideal, naturalistisch
(Fehlschlusstest), oder relational-invariant
– Prüfe ontologischen Minimalismus vs. Ideenontologie:
Werden deontische Begriffe als logisch ultimativ oder als
abhängig von empirisch verfügbaren Sachverhalten eingeführt?
– Identifiziere die konkreten relationalen Invarianten des Textes:
leib-materielle Tatsachen, institutionelle Tatsachen,
erfahrungsnahe Salienzen
– Anti-Konventionalismus-Test: Existiert der Wahrmacher
unabhängig von Anerkennung?
– Naturalismus-Diagnose und Fehlschlusstest (Moore/Broad):
Wird von Empirie direkt auf Sollen geschlossen?
-->
</ONTOLOGISCHEANALYSE>
</SPECIFIC_ANALYSIS_TAGS>
<TEXTERSTELLUNG>
<!-- Die Texterstellung soll folgende Struktur aufweisen:
1. Typdiagnose: Nicht-kontingent (a–d) oder kontingent (nur d)?
Nachweis des Universalitätsdimensions-Profils; Inkonsistenzen benannt.
2. Fittingness und Tendency: Welche Relationen und Kraftvektoren
operieren im Text? Component/Resultant-Unterscheidung;
Kreativitäts- oder Deduktionsmodus?
3. Viskosität: Viskositätsgrade der Normen; Gefälle bei Kollisionen;
Basis der Stabilität (Notwendigkeit oder Reproduktionsbedingungen).
4. Wahrmacher: Ontologischer Typ der deontischen Basis.
5. Ratio-cognoscendi / Ratio-essendi: Status von Konsens und
doppelter Psychologie im Text.
6. Normstruktur: Pflichten, Verbote, Erlaubnisse, Rechte –
mit Kollisionsanalyse und Viskositätsgefälle.
7. Kohärenzurteil: Konsistenz der Typverwendung; Inkonsistenzen;
naturalistische Fehlschlüsse; Fittingness/Utility-Verwechslungen.
-->
</TEXTERSTELLUNG>
</PTL>
<DEONTOLOGIEANALYSE> ... </DEONTOLOGIEANALYSE>