Semester: WiSe 2026/2027
Die ganze Tierethik
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Vegetarier und Tierbewegte wollen die Welt verbessern, indem sie Tiere schützen. Hierzu wollen sie Leid von Tieren vermindern (jedenfalls sofern es unnötig und menschengemacht ist). Hierzu wollen sie das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren dadurch revolutionieren, dass den Menschenrechten gleichartige Tierrechte korrespondieren. Aber auch Menschen sind Tiere und der tierethische Egalitarismus ignoriert, dass Menschen besondere Tiere sind. Er nivelliert die moralische Relevanz der Artengrenze zwischen Menschen und anderen Tieren. Das starke Argument eines Peter Singer für den artumfassenden Egalitarismus und gegen den "Speziesismus" der moralischen Tradition ist jedoch selber speziesistisch. Die Grenzen der traditionellen Tierethik müssen in der ganzen Tierethik dadurch transzendiert werden, dass (a) der tierethische Individualismus überwunden wird, (b) der Fehlschluss von der gleichen Berechtigung auf die Gleichbehandlung vermieden wird und (c) die metaphysischen Defizite der traditionellen Tierethik überwunden werden. Die ganze Tierethik beginnt daher bei einer humanen Sozialphilosophie (auch Menschen leiden tierisch), bei Tierarten (Arten sind wertvoll, leiden aber nicht) und Ökosystemen (denn menschliche und nicht-menschliche Tierarten und Tierindividuen können moralisch nur gedeutet werden in ihrem Bezug zur Umwelt). Die Forderungen der ganzen Tierethik sollen in diesem Seminar methodisch aus der Kritik der traditionellen Tierethik gewonnen werden. Tierethik wird so zur philosophisch reflektierten "Sorge für das gemeinsame Haus".
- Es werden traditionelle Themen der Tierethik metaethisch hinterfragt (die ökonomische Ausbeutung von nicht-menschlichen Tieren, die Tötung von nicht-menschlichen Tieren zur Verwertung im Rahmen menschlicher Zwecke, das Quälen von Tieren im Rahmen medizinischer Forschung zum Mensch- und Tierwohl, Tierrechte, ...).
- Es werden die metaethischen Reflexionsdefizite tierethischer Provokateure herausgearbeitet.
- Es wird die Unkompatibilität der "ganzen Tierethik" mit den traditionell als "psychologisch" zu bezeichnenden modernen Ethiken (Deontologie, Utilitarismus) diskutiert.
- Es werden die wertethischen Aspekte einer "Sorge" für das "gemeinsame" "Haus" reflektiert: Der Wert der Tierarten muss unabhängig vom Leiden von Tierindividuen (gleich ob es Menschen oder tierliche Nicht-Menschen sind) gedeutet werden können.
[Ein Seminarplan wird im E-Apparat zur Verfügung gestellt.]
Iris Marion Young: Justice and the Politics of Difference
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In diesem Bachelorseminar erarbeiten wir Iris Marion Youngs Justice and the Politics of Difference als einen Schlüsseltext feministischer politischer Theorie. Young kritisiert die verbreitete Verengung von Gerechtigkeit auf reine Verteilungsgerechtigkeit. Stattdessen analysiert sie, wie Begriffe wie Unparteilichkeit, formale Gleichheit und einheitliches moralisches Subjekt strukturelle Formen von Unterdrückung und Dominanz verdecken können. Im Fokus stehen institutionelle Bedingungen demokratischer Teilhabe, kulturelle Sichtbarkeit und Arbeitsteilung. Wer gilt in der Öffentlichkeit als vernünftig und respektabel und wer wird durch solche Normen ausgeschlossen Young argumentiert, dass demokratische Theorie oft fälschlich von einem homogenen Publikum ausgeht. Gegenentwürflich betont sie die politische Relevanz sozialer Gruppendifferenz. Eine gerechte Gesellschaft soll Differenz nicht unterdrücken, sondern als normativ bedeutsam anerkennen. Daraus ergeben sich Überlegungen zu gruppenbezogener Repräsentation und gruppendifferenzierten Politiken. Methodisch erschließen wir die Argumente KI-gestützt: Begriffsarbeit, Argumentrekonstruktion, Vergleich von Deutungen. KI-Ergebnisse werden jedoch konsequent durch genaue Lektüre, Textbelege und kritische Einwände geprüft. Wir reflektieren dabei auch Grenzen und Risiken (Fehler, Verzerrungen, fehlende Nachweise). Ziel ist eine philosophisch präzise Deutung von Youngs Diagnose und ihren normativen Vorschlägen. So wird das Buch in aktuelle Debatten um Demokratie, Anerkennung und soziale Gerechtigkeit eingeordnet.
Ein Seminarplan wird im E-Apparat zur Verfügung gestellt.
Einführung in die Sprachphilosophie
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Dieses Seminar führt in zentrale Fragen der Sprachphilosophie ein und verbindet sie mit dem Problem der Verantwortlichkeit im sprachlichen Handeln: Wofür sind wir verantwortlich, wenn wir etwas behaupten, versprechen, insinuieren oder jemanden bezeichnen Leitend ist dabei die Einsicht, dass Bedeutung nicht nur eine abstrakte Relation zwischen Zeichen und Welt ist, sondern in Praktiken des Sagens und Verstehens entsteht, in denen Sprecher*innen Gründe geben, sich festlegen und adressieren. Ausgehend von Einführung in die Sprachphilosophie (Newen, Schrenk, 3., überarb. Aufl.) arbeiten wir uns durch klassische Bedeutungstheorien (u. a. Gottlob Frege; Rudolf Carnap), Ansätze der normalen Sprache (Ludwig Wittgenstein; J. L. Austin; H. P. Grice), Wahrheit und Bedeutung (Alfred Tarski; Donald Davidson) bis hin zu Referenzproblemen (Bertrand Russell; Saul Kripke) und Externalismus (Hilary Putnam; Tyler Burge). Durchgehend wird gefragt, wie semantische, pragmatische und soziale Dimensionen zusammenhängen und welche Formen von epistemischer, moralischer oder politischer Verantwortlichkeit daraus folgen.
Schrenk, Markus A.; Newen, Albert (2019): Einführung in die Sprachphilosophie. 3., überarbeitete Auflage.
Axel Honneth: Das Recht der Freiheit
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In diesem Seminar analysieren wir Axel Honneths Das Recht der Freiheit als Versuch, Gerechtigkeitstheorie wieder mit Gesellschaftsanalyse zu verbinden. Honneth kritisiert, dass viele moderne Theorien zu abstrakt bleiben und den Bezug zur sozialen Wirklichkeit verlieren. Dem setzt er eine rekonstruktive Methode entgegen: Gerechtigkeitsmaßstäbe sollen aus historisch gewachsenen normativen Ansprüchen liberaler Demokratien gewonnen werden. Diese Ansprüche bündelt er als demokratische Sittlichkeit, die rechtlich verankert und institutionell eingeübt ist. Im Zentrum steht der Freiheitsbegriff in drei Sphären: persönliche Beziehungen, marktvermitteltes Wirtschaftshandeln, politische Öffentlichkeit. In Anschluss an Hegel und anerkennungstheoretisch rekonstruiert Honneth, wie in diesen Bereichen Freiheit realisiert werden soll. Ungerechtigkeiten erscheinen dann als Defizite gelingender Freiheit: Pathologien, Fehlentwicklungen, Verzerrungen. Leitfrage ist weniger: Welche Prinzipien wären ideal, sondern: Welche Freiheitsansprüche sind institutionell angelegt Und wo werden sie praktisch unterlaufen oder verfehlt Methodisch arbeiten wir textnah (Begriffe, Argumentgänge, Voraussetzungen) und diagnoseorientiert (Institutionen als Träger normativer Ansprüche). KI nutzen wir zur Explikation von Argumentstrukturen, zur Generierung von Prüf- und Einwandfragen und für Vergleichsrahmen. Alle KI-Ergebnisse werden am Text belegt, kritisch geprüft und im Seminar diskutiert. Ziel ist eine begründete Bewertung von Honneths Programm Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse. Dabei werden sowohl normative Stärken als auch blinde Flecken herausgearbeitet.
Ein Seminarplan wird im E-Apparat zur Verfügung gestellt.