Veranstaltungen

des WiSe 2020/2021

Einführung in die Politische Philosophie

Bachelor | Gruppe 1 (082585) | WWU | Mo 10-12 | DPL 23.208 | LSF-Link | moodle

Bachelor | Gruppe 2 (082586) | WWU | Mi 14-16 | wwu.zoom.us | LSF-Link | moodle

Kommentar: Die Politische Philosophie befasst sich mit Fragen nach dem sozialen oder asozialen Wesen des Menschen. Je nachdem wie man diese Frage beantwortet, kommt man zu unterschiedlichen Konzepten der Gerechtigkeit und Gleichheit. In diesem Seminar sollen gegenwärtige Positionen des Politischen Denkens in der Philosophie behandelt werden. (Utilitarismus, Liberale Gleichheit, Libertarismus, Marxismus, Kommunitarismus, Feminismus.) Das Studium dieser Positionen und ihr Vergleich soll einen systematischen Überblick über die systematischen Optionen in der Politischen Philosophie eröffnen.

Ziele der Veranstaltung:

  • Die Veranstaltung soll einen Überblick über systematische Optionen der politischen Philosophie vermitteln.
  • Inhaltlich steht die Behandlung folgender Themenkomplexe im Zentrum: (i) Utilitarismus, (ii) Liberale Gleichheit, (iii) Libertarismus, (iv) Marxismus, (v) Kommunitarismus, (vi) Feminismus.
  • Insofern sollen systematische Optionen im Kontext bestimmter Theorietypen untersucht werden.

Literatur, Textgrundlage: Will Kymlicka, Politische Philosophie heute, Eine Einführung, Frankfurt a. M.: Campus, 1997.


Epikur: Philosophie als Zuckerguss

Bachelor | Gruppe 1 (082573) | WWU | Mo 18-20 | DPL 23.201 | LSF-Link | moodle

Bachelor | Gruppe 2 (082574) | WWU | Do 14-16 | wwu.zoom.us | LSF-Link | moodle

Kommentar: Karl Marx hat seine Dissertation über Epikur (*342/41 v. Chr.) verfasst (MEW 40). Vielleicht hat seine politische These „Jedem nach seinen Bedürfnissen“ (MEW 19, 21) Wurzeln in Epikurs hedonistischer Ethik. Möglicherweise war Marx aber auch von der geradezu hegelianischen Systematizität der Philosophie Epikurs beeindruckt. Ontologie, Kosmologie, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie und Ethik sind systematisch aus einem Guss. Im Gegesatz zu einem hegelschen System handelt es sich bei Epikur aber um Zuckerguss. Für ihn war Philosophie eine Art Therapie – besser: Psychotherapie. Orientierungslosigkeit in der Welt und im Leben bewirkt Leid. Dieses Leid gilt es zu heilen. Im Erreichen der Gesundheit stirbt dann der Eros der Philosophie – er wird zu einem unerschütterlichen „einfach nur zusammen leben“. Methodisch gesehen resultiert das aus Orientierungslosigkeit erwachsende Leid aus falschen Ideen, die sich im Kopf festsetzen. Seine Philosophie ist ein kunstvolles Arrangement von einzelnen Ideen, die aufgrund ihres Denkstils miteinander harmonisieren. Dieses zuckersüße „System“ war in Sentenzen und Aphorismen verfasst, die von den SchülerInnen (auch Frauen gehörten zu seiner Schule!) auswendig zu lernen waren. Aber man kann sie auch im Denken philosophisch durchdringen und ihre Systematik nachvollziehen. Die Logik seines Systems ist exakt, weil sie als Lebensform heilt. Es gibt also ein klares geltungstheoretisches Kriterium seiner Logik! Zu diesem Heilungsprozess gehörte eine Besonderheit seiner Schule: der Garten. Der Epikureismus war daher die Lebensform eines ideell aufgeklärten Lebensgenusses von Freunden. Die überlieferten Texte reichen trotz allem aus, dieses System zu erkennen. Epikur wurde schon in der Antike verleumdet. Seneca und Kant dagegen schätzten ihn. Seneca hat ihn in seinen Briefen an Lucilius intensiv rezipiert, obwohl er gemeinhin als Stoiker gilt (Ep. 1-29). Kant gilt in seiner Ethik als antihedonistisch (aber respice „Achtung“); er lobte dennoch die Selbstbeherrschung der Stoiker und rühmte ihre Naturphilosophie (AA 9, 30). Leider war es für die Rezeptionsgeschichte Epikurs maßgeblicher, dass er vielen verhasst war, weil sich mit heilendem Zuckerguss kein Geld verdienen lässt und weil sein Lebensideal nicht im Heischen nach Anerkennung besteht. Beides provoziert Philosophen und Politiker.

Literatur, Textgrundlage: (Ein Textreader wird zu Beginn der Vorlesungszeit im elektronischen Apparat bereit gestellt.)


Ekel, Haß, Hochmut: Zur Phänomenologie feindlicher Gefühle

Bachelor | Gruppe 1 (082590) | WWU | Mo 14-16 | DPL 23.208 | LSF-Link | moodle

Bachelor | Gruppe 2 (082591) | WWU | Di 10-12 | wwu.zoom.us | LSF-Link | moodle

Kommentar: Aurel Kolnai hat in den Jahren 1929 bis 1935 die Ethik feindlicher Gefühle untersucht. Unter Ethik versteht man hier eine phänomenologische Untersuchung. Untersucht werden die Phänomene dieser Gefühle. Es geht also um eine Methodik in der Philosophie, die bei den "phainomena" ansetzt. Und die phainomena der Gefühle selbst, wie sie sich selbst uns in unserem Bewusstsein epistemologisch, motivational und rational präsentieren. Kolnai beschreibt diese Gefühle präzise und zeigt dabei zugleich, wie sie uns rationale Erkenntnis vermitteln. Seine Methode ist also empirisch, obwohl wir seinem subjektiven Erleben einfühlend folgend müssen. In dem Maße wie seine Darstellung das Wesen dieser Gefühle rekonstruiert vermittelt uns im Seminar unser "Einfühlen" und unser "Folgen" eine neue Kompetenz im Verständnis unserer "feindlichen" Gefühle. Das Wesen dieser Gefühle ist sozialphilosophischer Natur: Menschen zivilisieren ihre tierliche Natur durch Triebverzicht und die feindlichen Gefühle entspringen unserem Selbsterhaltungstrieb. Die Psychologie der Phänomene in diesen Texten führt auf eine Sozialphilosophie. Das Seminar wird zeigen, dass hier philosophisch ein Denkfehler vorliegt. Wie viele Philosophen, so lässt auch Kolnai außer Acht, dass man moralische Gefühle sozialpsychologisch untersuchen muss. Neben der erhellenden Betrachtung von Ekel, Hass und Hochmut wird das Seminar positive und negative Wege der wissenschaftlichen Methodik unterscheiden.


Die bildende Kraft des Museums: Zur Ethik exhibitionistischer Wirkungen musealer Paradoxien

Master | Teil 1 und Teil 2 (082615, 082616) | WWU | Di 14-16, Do 10-12 | Teil 1: DPL 23.402, Teil 2: DPL 23.205 | LSF-Link | moodle

Kommentar: Der Titel des Seminars ist sehr sperrig. Aber Museen sind es auch. Es wird uns um die philosophischen Hinter- und Vordergründe des Museums gehen. Von Descartes über Spinoza bis hin zu William James und Peter Strawson gehen Philosophen vielen ontologischen, metaphysischen, erkenntnistheoretischen, ästhetischen, moralischen und vielen weiteren philosophischen Fragestellungen zur musealen Wirklichkeit nach. In diesen Wunderkammern (man denke an die erstaunlichen Sammlungen der Habsburger oder an die bombastischen Sammlungssammlungen der Museen in London, Paris, Berlin, Washington, ...) werden die Besucher dadurch gebildet, dass sie verzaubert werden. Schon früh haben Philosophen gesehen, dass Museen etwas bewirken, was Platon Verzauberung oder "Besprechung" nannte (epode). Ihre besprechende Wirkung auf die Individuen führt immer zum musealen Diskurs in der Öffentlichkeit: Museen sind Bildungsorte, an denen sich die Öffentlichkeit sich ihrer selbst vergewissert. Was ist unsere Kultur? Wie gehen wir mit unserer Geschichte um? Was ist die Welt? Wie funktioniert Wissenschaft? ... Diese Fragen (und viele mehr) sind als Diskussionen exhibitionistische Wirkungen von Museen. Und die Sammlungen, die diese Wirkungen haben, sind dann besonders verheißungsvoll, wenn sie universal sind oder (besser formuliert) chaotisch und paradox. Museen sind, so könnte man zusammenfassend sagen, gelebte Philosophie. Wer die großen Sammlungen als Schatzhäuser von Milliardenwerten versteht oder als Oasen für konservierende Restauratoren und dokumentierende Archivare, entfernt sich Äonen von der Museumsidee.