Veranstaltungen

des SoSe 2020

Individuelle Rechte

Master | Teil 1 und Teil 2 | WWU | Teil 1: Di 14-16, Teil 2: Do 10-12 | moodle

Kommentar: Der Buchrücken sagt uns: Die Vorstellung, dass Menschen Rechte haben, gehört seit mindestens 400 Jahren zum festen Repertoire moral- und rechtsphilosophischer Grundgedanken. Angesichts der Bedeutung des Begriffs eines individuellen Rechts für die Regelung und Koordinierung menschlichen Handelns, zwischenmenschlicher Beziehungen und der Stellung des Bürgers gegenüber dem Staat überrascht es, dass sein Gehalt und seine Funktion noch immer strittig sind. Wie Robert Alexy erst kürzlich feststellte, hat die "Diskussion über den Begriff des subjektiven Rechts ... trotz ihrer beachtlichen Dauer und sehr intensiver und umfangreicher Bemühungen nicht zu einer Einigung geführt." Tatsächlich ist man sich weder einig über die Anwendungskriterien dieses Begriffs noch darüber, was Rechte für ihre Träger leisten sollen.

Ziele der Veranstaltung:

  • Klärung der Frage: Was sind Rechte? (Das Wesen der Rechte, Grundbegriffe)
  • Klärung der Frage: Welche Unterschiede gibt es in unter dem Oberbegriff des Rechts. (Struktur des Rechts und der Rechte)
  • Klärung der Frage: Wie berechtigt sind Rechte? – Insbesondere, wenn sie als individuelle Rechte verstanden werden. (Begründungstheoretische Fragen des Rechts)

Literatur, Textgrundlage: Individuelle Rechte, hrsg. v. Markus Stepanians, Paderborn: Mentis, 2007.


Migration als ethisches und rechtsphilosophisches Problem

Bachelor | Gruppe 1 | WWU | Mo 10-12 | moodle

Bachelor | Gruppe 2 | WWU | Do 14-16 | moodle

Kommentar: Immanuel Kant vertrat die Auffassung, dass jeder Mensch gegen jeden Menschen ein Besuchsrecht besitzt. Die Erdoberfläche ist begrenzt und Menschen müssen andere erdulden. Einerseits ist die Fläche des Globus natürlich begrenzt, andererseits ist der Ort, auf dem die Füße eines jeden Menschen stehen, nicht natürlich der seine. Dass jeder von uns irgendwo einen Ort einnimmt ist also eine gewisse Dreistigkeit gegen jeden anderen. Jeder hat deshalb (aus der anthropologisch notwendigen Notwendigkeit des Rechtsbegriffes heraus) das Recht, jeden zu besuchen. Das Besuchsrecht ist aber kein "Gastrecht" und es ist (wie gesagt) auch nicht "philanthropisch". Für Kant ist dieses Besuchsrecht "natürliches Recht" und somit konstitutives Prinzip des Rechts im notwendig existierenden Staat. Interessant wird diese These für uns heute aus folgendem Grund: Die Ausgrenzung von Menschen aus dem Rechtsraum eines Nationalstaates ist naturrechtlich ein unerträglicher Skandal des Staates gegen jeden einzelnen Menschen in der Welt. Der Staat muss daher (so meint Kant) ein willkürliches Besuchsrecht einräumen (sowohl das eigene Land verlassen, als auch ein anderes betreten zu dürfen). Aus dem Besuchsrecht folgt kein Gastrecht. Doch, nota bene: er schlussfolgert kein Gastrecht der Individuen gegen jeden andren, in Staaten heute gibt es aber aufgrund innerer Rechtsprinzipien (bspw. solidarische Unterstützungspflichten der Individuen im Staat gegeneinander) Unterstützungspflichten des Saates gegen jeden beliebigen Menschen in der Welt. Gegen diese Pflichten kann sich der Staat auf keine Weise erwehren als ihnen nachzukommen. (Die philanthropisch gemeinte These des "Wir schaffen das!" ist also philosophisch alternativlos.) Nun, man sieht, dass für Kant Migration ein ethisches und rechtsphilosophisches Thema darstellt. Das Seminar wird die verschiedenen Debattenstränge einer Philosophie der Migration verfolgen.


Die ganze Tierethik

Bachelor | Gruppe1 | WWU | Mo 18-20 | moodle

Bachelor | Gruppe 2 | WWU | Mi 14-16 | moodle

Kommentar: Vegetarier und Tierbewegte wollen die Welt verbessern, indem sie Tiere schützen. Hierzu wollen sie Leid von Tieren vermindern (jedenfalls sofern es unnötig und menschengemacht ist). Hierzu wollen sie das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren dadurch revolutionieren, dass den Menschenrechten gleichartige Tierrechte korrespondieren. Aber auch Menschen sind Tiere und der tierethische Egalitarismus ignoriert, dass Menschen besondere Tiere sind. Er nivelliert die moralische Relevanz der Artengrenze zwischen Menschen und anderen Tieren. Das starke Argument eines Peter Singer für den artumfassenden Egalitarismus und gegen den "Speziesismus" der moralischen Tradition ist jedoch selber speziesistisch. Die Grenzen der traditionellen Tierethik müssen in der ganzen Tierethik dadurch transzendiert werden, dass (a) der tierethische Individualismus überwunden wird, (b) der Fehlschluss von der gleichen Berechtigung auf die Gleichbehandlung vermieden wird und (c) die metaphysischen Defizite der traditionellen Tierethik überwunden werden. Die ganze Tierethik beginnt daher bei einer humanen Sozialphilosophie (auch Menschen leiden tierisch), bei Tierarten (Arten sind wertvoll, leiden aber nicht) und Ökosystemen (denn menschliche und nicht-menschliche Tierarten und Tierindividuen können moralisch nur gedeutet werden in ihrem Bezug zur Umwelt). Die Forderungen der ganzen Tierethik sollen in diesem Seminar methodisch aus der Kritik der traditionellen Tierethik gewonnen werden. Tierethik wird so zur philosophisch reflektierten "Sorge für das gemeinsame Haus".

Ziele der Veranstaltung:

  • Es werden traditionelle Themen der Tierethik metaethisch hinterfragt (die ökonomische Ausbeutung von nicht-menschlichen Tieren, die Tötung von nicht-menschlichen Tieren zur Verwertung im Rahmen menschlicher Zwecke, das Quälen von Tieren im Rahmen medizinischer Forschung zum Mensch- und Tierwohl, Tierrechte, ...).
  • Es werden die metaethischen Reflexionsdefizite tierethischer Provokateure herausgearbeitet.
  • Es wird die Unkompatibilität der "ganzen Tierethik" mit den traditionell als "psychologisch" zu bezeichnenden modernen Ethiken (Deontologie, Utilitarismus) diskutiert.
  • Es werden die wertethischen Aspekte einer "Sorge" für das "gemeinsame" "Haus" reflektiert: Der Wert der Tierarten muss unabhängig vom Leiden von Tierindividuen (gleich ob es Menschen oder tierliche Nicht-Menschen sind) gedeutet werden können.

Literatur, Textgrundlage: [Ein Seminarplan mit den Hinweisen zu den vorgesehenen Texten wird im E-Apparat zur Verfügung gestellt.]


Aristoteles: Nikomachische Ethik

Bachelor | Gruppe 2 | WWU | Mo 14-16

Bachelor | Gruppe 1 | WWU | Di 10-12

Kommentar: Die „Nikomachische Ethik“ von Aristoteles ist zwar neben Platons moralphilosophischen Dialogen eines der ersten Werke der philosophischen Ethik in der europäischen Philosophiegeschichte. Mit diesem Werk hat Aristoteles aber die philosophische Ethik als eine eigenständige systematische Disziplin in der Philosophie begründet. Seither ist es grundlegend im Bereich der praktischen Philosophie. Während es vom Standpunkt der neuzeitlichen Ethiken (vgl. Kant bzw. den Utilitarismus) primär von historischem Interesse war, gewinnt es im Kontext der Methodendiskussionen in der Medizin und Bioethik auch aus systematischer Perspektive wieder an Bedeutung. Man spricht von einer Renaissance der Tugendethik und damit vor allem von einer wiedererstarkenden Bedeutung der „Nikomachischen Ethik“. Folgende Themen und Fragen werden behandelt: „Glück“ (eudaimonia) als Ziel allen Handelns als das höchste Gut. Ist Glück Inhalt der oder Mittel zur Tugend? Die Differenzierung der ethischen und dianoethischen Tugenden und die Diskussion der Einzeltugenden, insbesondere der Gerechtigkeit. Lust. Freundschaft. Freiheit. Der Wert des kontemplativen und des aktiven Lebens.

Literatur, Textgrundlage:

  • Textgrundlage: Aristoteles, Nikomachische Ethik, übers. v. Franz Dirlmeier, Stuttgart: Reclam.
  • Kommentar: Ursula Wolf, Aristoteles’ „Nikomachische Ethik“, Darmstadt: WBG, 2002)