Veranstaltungen

des WiSe 2021/2022

Lektürekurs zur Erkenntnistheorie (Descartes, Hobbes, Locke, Hume usw.)

Bachelor | Gruppe 1 | WWU | Mo 14-16 | LSF-Link | moodle

Bachelor | Gruppe 2 | WWU | Di 10-12 | LSF-Link | moodle

Kommentar: Die Veranstaltung soll am Beispiel historischer Positionen in die Thematik der Erkenntnistheorie einführen. Sie ist in Form intensiver Lektürearbeit konzipiert. Ziel ist es zum einen, die einzelnen Positionen intern zu verstehen, und zum anderen, systematische Bezüge zwischen Ihnen herzustellen.


Kreative Ethik: Die Philosophie der Mode

Bachelor | Gruppe 1 | WWU | Mo 10-12 | LSF-Link | moodle

Bachelor | Gruppe 2 | WWU | Mi 14-16 | LSF-Link | moodle

Kommentar: "Wir sind alle Individuen!", "Ich nicht!" - heißt es im Film. Wer sich modisch kleidet, ist einerseits individuell (modisch bewusst und anders gekleidet als andere), andererseits ist er selten (wenn auch manchmal) besonders exzeptionell (Modebewusstsein ist auch Massenbewusstsein). Mode ist in beiden Hinsichten extrem wandelbar und insgesamt mindestens ambivalent. Und so kann man sie philosophisch leicht als Dienerin des Marktes abtun. Aber natürlich ist Mode älter als der Kapitalismus. Sich modisch zu geben ist eine anthropologische Konstante. Wie eine technische Prothese wird das, was wir an Kleidung tragen und wie wir es tragen, zu einem Teil unser selbst. Allerdings zu einem sehr volatilen Teil unser selbst. Macht die philosophische Reflexion auf die Mode uns also bewusst, dass wir schon immer Cyborgs waren? Mode ist auch normativ: Etwas (Kleidung, Schmuck, Bewegungen, Freunde), von dem wir meinen, dass es zu uns passt, kann sich, wenn wir es "tragen", als unpassend erweisen. Es kann sich auch als im sozialen Raum unpassend erweisen und uns als asozial oder als kritisch brandmarken. Dann passt es vielleicht zu uns, macht uns aber bisweilen einsam. Die Einsamkeit des Individuums kann jedoch andere überzeugen und so zu einem mehr oder weniger flüchtigen oder revolutionären Tummelplatz vieler werden. Mode macht deutlich, dass Normativität sowohl berharrlich als auch flüchtig und sowohl anarchisch als auch konformistisch ist. Die Mode und die Philosophie haben überdies viel gemeinsam. Philosophisches Denken hat seit Platon die Selbstgestaltung zur Aufgabe. Denkend, Erkennend, Begründend verstehen wir uns selbst und gewinnen dadurch Bedeutung und Ansehen als Menschen im sozialen Raum, im eigenen Handeln und in der Weise, wie wir uns die Welt kognitiv aneignen. Eine Philosophie der Mode hat die Mode nicht nur zum Objekt. Insbesondere in normativen Fragen ist die Kreativität und der Konservatismus der Mode selbst gute Philosophie.

Literatur, Textgrundlage: (Ein Text-Reader wird online zur Verfügung gestellt.)


Lektüre, Platons Nomoi

Bachelor | Gruppe 1 | WWU | Mo 18-20 | LSF-Link | moodle

Bachelor | Gruppe 2 | WWU | Do 14-16 | LSF-Link | moodle

Kommentar: Bei der nicht allzu oft gelesenen Schrift Platons handelt es sich um einen Dialog in 12 Büchern. Wenn man den Titel liest „Nomoi“ (Gesetze, laws), würde man als Philosoph eine Diskussion erwarten, die nach dem Wesen der Gesetze fragt. Doch diese Frage wird in der nicht gleichbedeutenden Variante „Was ist Gerechtigkeit?“ in der oft gelesenen „Politeia“ untersucht. Im eigentlichen Sinne wird die Frage im „Minos“ behandelt, der heute nicht mehr als ein Werk Platons gilt. Die Nomoi sind in der politischen Philosophie singulär. Sie gehen die politische Philosophie von einem personalen Standpunkt an: Wie sollte ein Gesetzgeber beschaffen sein? In der Politeia müssen Philosophen aus ihrer Einsicht in die „Wahrheit“ heraus im Gemeinwesen herrschen. In den Nomoi sind es die Menschen, die im Bewusstsein der „richtigen Meinung“ ihr Gemeinwesen gemeinschaftlich gestalten müssen. Zudem verweist der Titel auf die Musiktheorie: „nomos“ heißt im Griechischen nicht nur „Gesetz,“ sondern auch „Melodie“ (nomo tini adein = melodisch singen). Die Gerechtigkeit im Staat ist somit die Melodie des gemeinschaftlichen Lebens der Personen. Und diese Melodie kann gelingen und den Staat dadurch lebenswert machen. Platon entwickelt in den Nomoi eine gegenüber der Politeia neue und eigenständige Moralpsychologie, Utopie und Rationalitätstheorie. Sein Blick auf die Bürgergesellschaft, die Institutionen und Ämter und die Gesetzgebenden ist im Sinne einer idealen normativen Soziologie modern.

Literatur, Textgrundlage: Platon, Nomoi (Gesetze), übers. v. Klaus Schöppsdau, in: Platon, Werke, Übersetzung und Kommentar, hrsg. v. Ernst Heitsch et al., Bd. IX.2 (2.1, 2.2, 2.3), Göttingen: Vandenhoek und Ruprecht, 1994 -2011.


Ovids Metamorphosen als Arbeit am Mythos

Master | Teil 1, Teil 2 | WWU | Teil 1 (Di 14-16), Teil 2 (Do 10-12) | LSF-Link | moodle

Kommentar: Ovids Metamorphosen sind dem Leben der Menschen und Götter entnommen. Die Mythologie liefert Geschichten. Männer stalken Frauen, die zu Efeu oder zu Männern werden, um nicht weiter belästigt zu werden. Die verliebte Echo ist nicht nur beleidigt, weil Narziss sie nicht liebt, sie zickt auch noch so lange rum, bis sie sich dramatisch verzehrt und von ihr nichts bleibt als Echo zu sein. Der Mythos ist auch bildreiche naturwissenschaftliche Aitiologie. Pygmalion findet alle Frauen zweitklassig und bastelt sich seine eigene aus Marmor. Venus macht ihn lebendig und (upsi!) sie ist sogar verliebt in ihren Schöpfer. Menschen werden in Tiere verwandelt. Verschiedene Arten werden zu Chimären. Die Naturgeschichte des Lebens in den Metamorphosen ist geprägt von fluiden Artidentitäten. Geschichten aus dem Zeitalter des Mythos werden von Ovid als Leben und als Geschichte reflektiert, die selbst Wissenschaft ist. Der Gegensatz zwischen Mythos und Logos ist Unsinn; aber auch der zwischen Geschichte, Wissenschaft, Geschichtswissenschaft und Geschichtsphilosophie. Als Arbeit am Mythos werden sie von Hans Blumenberg als Einheit gedacht.

Literatur, Textgrundlage: Hans Blumenberg, Arbeit am Mythos, Frankfurt: suhrkamp, 1979.