Laborseminar: Die verwundbare Demokratie
[Bachelor]
Kommentar: Dieses Seminar ist ein „Laborseminar“; es folgt in methodischer Hinsicht einem innovativen Ansatz. Im Ausgang von Maximilian Steinbeis’ aktuellem Werk „Die verwundbare Demokratie“ (2024) wollen wir gemeinsam mit den Seminarteilnehmenden in Gruppenarbeit Kernbestandteile einer neuen Demokratietheorie formulieren und kritisch überprüfen, inwiefern sie den aktuellen Herausforderungen antidemokratischen Tendenzen begegnen kann. – Wir gehen dabei bewusst von einem nicht-philosophischen Text aus; in diesem Fall von einem juristisch und politisch orientierten Buch, das an ein großes Publikum gerichtet ist. Steinbeis’ Analysen und Vorschläge verwenden wir als Katalysator für philosophische Reflexionen auf die Bedrohungen liberaler Demokratien durch autoritäre Populistinnen und Populisten. Wir werden seine Fallstudien, etwa zur Entwicklung Ungarns unter Viktor Orbán, mit klassischen und zeitgenössischen demokratietheoretischen Ansätzen in Verbindung bringen. Dieses Vorgehen sei schlaglichtartig an drei Beispielen illustriert: Wir werden Jürgen Habermas’ Konzept der deliberativen Demokratie im Lichte von Steinbeis’ Beobachtungen zur Polarisierung des öffentlichen Diskurses diskutieren. Außerdem greifen wir Steinbeis’ Idee eines „zivilen Verfassungsschutzes“ auf und setzen sie mit partizipativen Demokratietheorien, wie sie etwa von Carole Pateman vertreten werden, in Beziehung. Schließlich werden wir die von Steinbeis beschriebenen Mechanismen der institutionellen Unterwanderung anhand von Arbeiten zur konstitutionellen Demokratie, etwa von Stephen Holmes, kritisch reflektieren. – Durch die Verknüpfung von Steinbeis’ aktuellen juristischen und sozialwissenschaftlich fundierten Analysen mit philosophischen Theorien zielt das Seminar darauf ab, ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen an und Gefahren für moderne Demokratien zu entwickeln und mögliche Strategien zu ihrer Verteidigung zu erarbeiten. Die Teilnehmenden sollen ermutigt werden, eigene Forschungsfragen zu entwickeln und im Rahmen des forschenden Lernens eigenständig Lösungsansätze zu bearbeiten.
Ziele der Veranstaltung:
Ziele:
- Verständnis für aktuelle Bedrohungen liberaler Demokratien durch autoritäre und populistische Tendenzen entwickeln.
- Kritische Auseinandersetzung mit einem nicht-philosophischen, juristisch-politischen Text (Maximilian Steinbeis, Die verwundbare Demokratie, 2024) als Ausgangspunkt philosophischer Reflexion.
- Erarbeitung und Diskussion zentraler Elemente einer zeitgenössischen Demokratietheorie in Gruppenarbeit.
- Verknüpfung aktueller Fallanalysen mit klassischen und gegenwärtigen demokratietheoretischen Ansätzen (z. B. Jürgen Habermas, Carole Pateman, Stephen Holmes).
- Analyse konkreter demokratiegefährdender Entwicklungen (z. B. in Ungarn) anhand theoretischer Konzepte wie deliberative Demokratie, partizipative Demokratie und konstitutionelle Demokratie.
- Kritische Reflexion von Begriffen wie öffentlicher Diskurs, ziviler Verfassungsschutz und institutionelle Erosion im Licht philosophischer Theorien.
- Förderung eigenständiger Forschungskompetenz durch Entwicklung eigener Fragestellungen und Bearbeitung im Rahmen forschenden Lernens.
- Stärkung der Fähigkeit zu interdisziplinärem Denken an der Schnittstelle von Philosophie, Recht und politischer Theorie.
Literatur, Textgrundlage: Steinbeis, Maximilian. Die verwundbare Demokratie: Strategien gegen die populistische Übernahme. München: Carl Hanser Verlag, 2024. [Die Textauswahl wird im LearnWeb bereit gestellt.]
Die Veranstaltung findet bzw. fand statt: [WiSe 2526, Gruppe 1, zus. mit: Martin Hoffmann][WiSe 2526, Gruppe 2, zus. mit: Martin Hoffmann]