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Ovids Metamorphosen als Arbeit am Mythos

[Master]

Kommentar: Ovids Metamorphosen sind dem Leben der Menschen und Götter entnommen. Die Mythologie liefert Geschichten. Männer stalken Frauen, die zu Efeu oder zu Männern werden, um nicht weiter belästigt zu werden. Die verliebte Echo ist nicht nur beleidigt, weil Narziss sie nicht liebt, sie zickt auch noch so lange rum, bis sie sich dramatisch verzehrt und von ihr nichts bleibt als Echo zu sein. Der Mythos ist auch bildreiche naturwissenschaftliche Aitiologie. Pygmalion findet alle Frauen zweitklassig und bastelt sich seine eigene aus Marmor. Venus macht ihn lebendig und (upsi!) sie ist sogar verliebt in ihren Schöpfer. Menschen werden in Tiere verwandelt. Verschiedene Arten werden zu Chimären. Die Naturgeschichte des Lebens in den Metamorphosen ist geprägt von fluiden Artidentitäten. Geschichten aus dem Zeitalter des Mythos werden von Ovid als Leben und als Geschichte reflektiert, die selbst Wissenschaft ist. Der Gegensatz zwischen Mythos und Logos ist Unsinn; aber auch der zwischen Geschichte, Wissenschaft, Geschichtswissenschaft und Geschichtsphilosophie. Als Arbeit am Mythos werden sie von Hans Blumenberg als Einheit gedacht.

Literatur, Textgrundlage: Hans Blumenberg, Arbeit am Mythos, Frankfurt: suhrkamp, 1979.

Die Veranstaltung findet bzw. fand statt: [WiSe 21/22, Teil 1, Teil 2]