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Die bildende Kraft des Museums: Zur Ethik exhibitionistischer Wirkungen musealer Paradoxien

[Master]

Kommentar: Der Titel des Seminars ist sehr sperrig. Aber Museen sind es auch. Es wird uns um die philosophischen Hinter- und Vordergründe des Museums gehen. Von Descartes über Spinoza bis hin zu William James und Peter Strawson gehen Philosophen vielen ontologischen, metaphysischen, erkenntnistheoretischen, ästhetischen, moralischen und vielen weiteren philosophischen Fragestellungen zur musealen Wirklichkeit nach. In diesen Wunderkammern (man denke an die erstaunlichen Sammlungen der Habsburger oder an die bombastischen Sammlungssammlungen der Museen in London, Paris, Berlin, Washington, ...) werden die Besucher dadurch gebildet, dass sie verzaubert werden. Schon früh haben Philosophen gesehen, dass Museen etwas bewirken, was Platon Verzauberung oder "Besprechung" nannte (epode). Ihre besprechende Wirkung auf die Individuen führt immer zum musealen Diskurs in der Öffentlichkeit: Museen sind Bildungsorte, an denen sich die Öffentlichkeit sich ihrer selbst vergewissert. Was ist unsere Kultur? Wie gehen wir mit unserer Geschichte um? Was ist die Welt? Wie funktioniert Wissenschaft? ... Diese Fragen (und viele mehr) sind als Diskussionen exhibitionistische Wirkungen von Museen. Und die Sammlungen, die diese Wirkungen haben, sind dann besonders verheißungsvoll, wenn sie universal sind oder (besser formuliert) chaotisch und paradox. Museen sind, so könnte man zusammenfassend sagen, gelebte Philosophie. Wer die großen Sammlungen als Schatzhäuser von Milliardenwerten versteht oder als Oasen für konservierende Restauratoren und dokumentierende Archivare, entfernt sich Äonen von der Museumsidee.