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Lektüre, Platons Nomoi

[Bachelor]

Kommentar: Bei der nicht allzu oft gelesenen Schrift Platons handelt es sich um einen Dialog in 12 Büchern. Wenn man den Titel liest „Nomoi“ (Gesetze, laws), würde man als Philosoph eine Diskussion erwarten, die nach dem Wesen der Gesetze fragt. Doch diese Frage wird in der nicht gleichbedeutenden Variante „Was ist Gerechtigkeit?“ in der oft gelesenen „Politeia“ untersucht. Im eigentlichen Sinne wird die Frage im „Minos“ behandelt, der heute nicht mehr als ein Werk Platons gilt. Die Nomoi sind in der politischen Philosophie singulär. Sie gehen die politische Philosophie von einem personalen Standpunkt an: Wie sollte ein Gesetzgeber beschaffen sein? In der Politeia müssen Philosophen aus ihrer Einsicht in die „Wahrheit“ heraus im Gemeinwesen herrschen. In den Nomoi sind es die Menschen, die im Bewusstsein der „richtigen Meinung“ ihr Gemeinwesen gemeinschaftlich gestalten müssen. Zudem verweist der Titel auf die Musiktheorie: „nomos“ heißt im Griechischen nicht nur „Gesetz,“ sondern auch „Melodie“ (nomo tini adein = melodisch singen). Die Gerechtigkeit im Staat ist somit die Melodie des gemeinschaftlichen Lebens der Personen. Und diese Melodie kann gelingen und den Staat dadurch lebenswert machen. Platon entwickelt in den Nomoi eine gegenüber der Politeia neue und eigenständige Moralpsychologie, Utopie und Rationalitätstheorie. Sein Blick auf die Bürgergesellschaft, die Institutionen und Ämter und die Gesetzgebenden ist im Sinne einer idealen normativen Soziologie modern.

Literatur, Textgrundlage: Platon, Nomoi (Gesetze), übers. v. Klaus Schöppsdau, in: Platon, Werke, Übersetzung und Kommentar, hrsg. v. Ernst Heitsch et al., Bd. IX.2 (2.1, 2.2, 2.3), Göttingen: Vandenhoek und Ruprecht, 1994 -2011.

Die Veranstaltung findet bzw. fand statt: [WiSe 19/20, Gruppe 1][WiSe 19/20, Gruppe 2]