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Auf dieser Seite finden Sie Texte und Präsentationen von mir zu verschiedenen philosophischen Themen. Teilweise handelt es sich um Originalbeiträge, teilweise um Vorversionen bereits publizierter Texte.

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1 Das Marxsche Konzept der Charaktermaske als Kategorisierungsprinzip. Gegen den tierethischen Egalitarismus (Text)

Woher kommen die kategorisierenden Prinzipien, von denen unsere Vorstellungen über die Struktur der Natur und insbesondere der Mensch-Tier-Verhältnisse abhängen? Ein Teil einer Antwort wird in diesem Beitrag vorgestellt. Ausgehend von der Betrachtung eines Fotos des südafrikanischen Künstlers Pieter Hugo soll gezeigt werden, wie vieldeutig, vielschichtig und widersprüchlich das Mensch-Tier-Verhältnis ist. Man versteht das Foto nicht, wenn man nicht eine multivalente Moral der Mensch-Tier-Verhältnisse für es als konstitutiv ansieht. Ein Teil dieser Komplexität ist der tierethische Inegalitarismus, der in vielen Kulturen präsent ist und von Tierethikern oft als speziesistisch kritisiert wird. Man versteht die konstitutive Moral einer Kultur, wenn man sich am Konzept der Charaktermaske bei Karl Marx orientiert und es kreativ weiterentwickelt (1). Zunächst soll die Lehnquelle dieses Wortes aus der Bühnenwelt beleuchtet werden. Diesbezüglich sind verschiedene Dinge unbrauchbar: Charaktermasken in Marxens Sinne sind involuntative Personmerkmale (man setzt sie sich nicht auf) und man betritt mit ihnen nicht die Bühne des Theaters im Gegensatz zur Welt. Es ist auch fraglich, was es heißt, mit einer Rolle zu verschmelzen (2). Anschließend wird das Konzept im Oeuvre von Marx untersucht. Er hat nie ausführlich ein Konzept der Charaktermaske oder der Verdinglichung entwickelt. Dennoch kann man im Durchlauf durch Fundstellen ein klares Bild zeichnen: Kontingente Verhältnisse der menschlichen und kulturellen Verhältnisse heften den Individuen im Sinne einer kausalen Wirkung Charaktermasken an, weil sie verdinglichte Vorstellungs- und Handlungswelten darstellen (3). Diese Skizze kann auf die Mensch-Tier-Verhältnisse übertragen werden: Menschen, Tiere und Umwelt bilden eine gelebte und moralisch bedeutsame Realität. Sie ist eine Vorstellungswelt, für die ein vieldeutiges, vielschichtiges und widersprüchliches Geflecht an moralischen Kategorien Menschen, Tiere und Umwelt funktionieren macht. Und deshalb interagieren sie auf charakteristische Weise (4). In diesem Kontext kritisieren tierethische Egalitaristen die inegalitaristischen Grundstrukturen dieser Charaktermasken. Sie beruhen auf kategorisierenden Prinzipien, die ihnen als speziesistisch gelten. Ihre Philosophie ist ihre Mission der Welt im Dienste neuer Werte. Es wird gezeigt, dass der Vorwurf des Speziesismus ein unseriöses Hebelargument ist (der Mensch-Tier-Egalitarismus soll in unsere Realität gehebelt werden). Dieses Argument versteht die Moral der Welt strategisch falsch. Dieses Argument beruht auf falschen Annahmen über die Entwicklungsgesetze des Wertewandels. Zwei Thesen begründen diese Kritik: Zum einen sind die Wertverhältnisse (oder Systeme von Werthaltungen) nicht durch Wertentscheidungen zu erschüttern, zum anderen sind sie nicht grundsätzlich begründungsbedürftig. Sie wollen behutsam verstanden werden und in ihnen können radikale Umschwünge allmählich anziehend wirken.

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