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Globale Gerechtigkeit

[Master]

Kommentar: Wie können wir als Philosophen in einer sich globalisierenden Welt Gerechtigkeit definieren, verstehen und aufrechterhalten? Diese Frage ist in der Philosophie bisher kaum sinnvoll formulierbar, obwohl es seit den 70er Jahren eine einschlägige Debatte gibt. Der Grund ist, dass die ausdifferenzierten Modelle der politischen und der Rechtsphilosophie zu einer Phase der Entwicklung des moderenen Staatsverständnisses beitrugen, die nicht global denken wollte. Die Verbereitung des Kapitalismus in der Welt, zwei Weltkriege, ein universales Menschenrechtsverständnis und die internationale Egalisierung durch die Entkolonialisierung schaffen die Notwendigkeit, übergeordnete Gerechtigkeitsfragen zu diskutieren. Zu sagen, dass Gerechtigkeit in einem Staat konzipiert werden muss und dass zwischen souveränen Staaten ein Naturzustand herrscht, greift soziologisch, juridisch und ethisch zu kurz. Es gibt ökonomischen und kulturellen Verkehr zwischen Staaten, nicht nur die Eigentumsverhältnisse sind international komplex und „unsere“ Wertauffassungen sind immer auch Kommentare zu denen der „anderen“. Global gesehen greift globale Gerechtigkeit zu kurz, wenn man sie nur aus den Menschenrechten her deuten möchte. Denn einerseits gibt es unterschiedliche Deutungen der Menschenrechte. Und andererseits kann man aus den Formulierungen der Menschenrechte (negative Abwehrrechte von Bürgern gegen den Staat) nur wenig Gedanken gewinnen für globale Gerechtigkeit. Ziel des Seminars ist es, globale Gerechtigkeit als philosophisches Problem zu rekonstruieren, zu dem die politische und die Rechtsphilosophie der Neuzeit weder diagnostische noch therapeutische Zugänge anzubieten vermag.

Literatur, Textgrundlage: [Ein Textreader wird im elektronischen Apparat zur Verfügung gestellt.]

Die Veranstaltung findet bzw. fand statt: [WiSe 19/20, Teil 1 und Teil 2]